Norient Musikfilm Festival Wie klingt ein Rhinozeros?

Wir seien reich an Bildern, arm an Klängen, findet Nick Koenig alias Hot Sugar. Ein Dokfilm zeigt den Klangjäger bei der Arbeit.

Ein Filmstill aus «Hot Sugar's Cold World». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Hot Sugar's Cold World»: Dokumentarfilm, der einen Grammy nominierten Musik-Produzentin mit der Kamera begleitet. Hot Sugar's Cold World

  • Nick Koenig alias Hot Sugar ist Klangjäger und DJ aus New York. Aus den gesammelten Klängen macht er Musik.
  • Sein Credo: Wir haben Bilder im Kopf von allen möglichen Dingen, aber wir sind vergleichsweise arm an Klängen.
  • Der Dokumentarfilm «Hot Sugar's Cold World» zeigt ihn bei der Arbeit.

Zwei Männer sitzen am einsamen Strand in zwei Liegestühlen, es ist diesig, grau. Nur Mövenschreie, etwas Rauschen und die Frage im Raum: Wie klingt ein Rhinozeros? Nicht das Grunzen und Schnaufen des Tiers, nicht primär das – sondern: Wie klingt ein Nashorn, wenn man es streichelt?

Mikro in der Hand

Der Fragende im linken Liegestuhl ist die Hauptfigur im Dokumentarfilm. Nick Koenig alias Hot Sugar, Klangjäger und DJ aus New York, 25-jährig, vielleicht aber auch 30-jährig.

Schlaksig, manchmal etwas fahrig in seinen Bewegungen, aber äusserst zielstrebig, was Sounds angeht. Immer mit dem Mikro in der Hand, den Blick distanziert, melancholisch. Die Ohren weit offen.

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Bildlegende: Filmemacher Adam Bhala Lough begleitete Hot Sugar bei seiner Klangreise. Hot Sugar's Cold World

Ganz nah dran

Er wischt über das Glas eines Aquariums, bügelt mit dem Dampfbügeleisen, lässt eine Freundin zwölf Kerzen ausblasen, oder streichelt selbst ganz zart ein kleines Stofftier – immer mit dem Mikrofon ganz nah dran.

Diese Klänge sind die Bausteine seiner Musik. Genauso wie der Tritt in einen Abfallsack auf der Strasse oder der Knall der Feuerwerkskörper, die er mit einem Freund in die Nacht abschiesst.

Arm an Klängen

Hot Sugar bewegt sich an den Grenzen der Wahrnehmung. Sein Credo: Wir haben Bilder im Kopf von allen möglichen Dingen, aber wir sind vergleichsweise arm an Klängen. Da gibt es viel zu entdecken. Beobachter Adam Bhala Lough kommt ihm in diesem ruhigen, unaufgeregten Dokumentarfilm dabei ganz nah.

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Bildlegende: Weg von New York nach Paris: Hot Sugars Forschungsreise führt in die Stadt der Liebe. Hot Sugar's Cold World

Eine Suche nach Stille

Die Forschungsreise führt Hot Sugar aus New York, weg von einer unglücklichen Liebe, nach Paris, in die Katakomben der Stadt und auf einen jüdischen Friedhof, zum Grab der Grosseltern. Auch da sammelt er Klänge und Geräusche. Und immer wieder sucht er besondere Räume – die Stille, die darin herrscht, fasziniert ihn besonders.

Ständig auf der Jagd

Hot Sugar lebt in einer kalten Welt, der er wieder neue Schönheit aufzeigen will – als Musiker. Er verarbeitet eine zerbrochene Liebe in traurigen Klavier-Akkorden. Geht auf Klangjagd in dem Raum, wo er an einer Universität das allererste Computernetzwerk erfunden wurde.

Jagen, aufnehmen, den Sounds nachspüren – und sie danach am Computer neu montieren und verfremden: «Hot Sugar's Cold World» ist ein Universum, das von seltsamen akustischen Wesen bevölkert wird. Seine Beats und Sounds mögen aus einer kalten, egoistischen Welt stammen – als seine Geschöpfe und Begleiter enthalten sie viel Herzblut und menschliche Wärme.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 11.1.2017, 17:06 Uhr.

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