Obstbäume zitterten vor dem Frost wie seit 1912 nicht mehr

Im April 1912, als die Titanic den Eisberg rammte und sank, erlebte die Schweiz eine ähnlich kalte Phase mit Frostschäden wie dieses Jahr. Damals wurde es 35 Tage nach Vegetationsbeginn noch einmal kälter als -2 Grad.

Nachtbild mit regelmässigen Lichtpunkten. Im Hintergrund Berge. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Winzer in der Bündner Herrschaft heizen ihre Weinberge. Beni Egger

Ganze 34 Tage nachdem das Wachstum der Vegetation eingesetzt hatte, gab es am Donnerstag nocheinmal Frost, in Zürich -2.4 Grad. Dass es im April noch einmal Frost gibt, ist nicht aussergewöhnlich. Es kommt jedoch selten vor, dass der Frühling so warm und die Vegetation derart fortgeschritten ist wie dieses Jahr und darauf noch einmal ein so strenger Frost kommt. Normalerweise tritt der letzte strenge Frost lange vor der Vegetation ein: Im Schnitt ist es 17 Tage vor Vegetationsbeginn zum letzten Mal -2 Grad kalt.

Tabelle mit Jahreszahlen und Anzahl Tage. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Zürcher Statistik sehen wir nur wenige Jahre mit starkem Frost ähnlich spät nach Vegetationsbeginn wie 2017. SRF Meteo

Schwarzweissbild von der Titanic Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Titanic am 10. April 1912 Wikipedia

Was hat die Titanic mit Frost zu tun?

Am 14. April 1912 kollidierte die Titanic, das grösste Passagierschiff jener Zeit, im Nordatlantik mit einem Eisberg und sank. Schuld sei das Wetter gewesen, denn Nordwestwinde hätten in den Wochen vor dem Unglück Grönlands Eisberge bis weit nach Süden geschoben. Auf der anderen Seite des Atlantiks ging 1912 häufig der Westwind. Er brachte Europa in den Monaten Februar und März mildes Wetter und liess viele Pflanzen früh erblühen. Doch dann, am 13. und 14. April, bricht noch einmal kalte Luft herein: In Zürich sank das Quecksilber unter -2 Grad. Ganz ähnlich wie dieses Jahr: Februar und März waren zwei bis drei Grad wärmer als üblich. Und der strenge Frost folgte sehr spät.