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Anonyme Meldungen Die «Anti-Mobbing-Behörde» am Unispital Waadt wird überschwemmt

Seit letztem Sommer gibt es am Universitätsspital Waadt (CHUV) eine Anlaufstelle gegen problematische Verhaltensweisen. In dieser kurzen Zeit gingen bereits 143 Meldungen ein.

Zwischen dem Start der neuen Anlaufstelle «Cellule safe» im Juli 2025 und Januar 2026 gab es total 143 Meldungen wegen «problematischer Verhaltensweisen», wie das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) berichtet. Bei den gemeldeten Vorfällen geht es um Mobbing, sexuelle Belästigung, aber auch um andere unangemessene Verhaltensweisen.

Aufgrund der Meldungen haben rund 300 Gespräche mit Direktbetroffenen oder Zeugen stattgefunden. Zwanzig dieser Fälle wurden an die Personalabteilung des Universitätsspitals weitergeleitet.

Zwei Kündigungen

«Es ist ein Grund zur Sorge und zur Wachsamkeit», sagt die Generaldirektorin des CHUV, Claire Charmet, gegenüber RTS. «Unangemessenes Verhalten, das die Integrität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verletzt, ist nicht mit meinen Werten vereinbar.» Am CHUV arbeiten rund 12'000 Personen, darunter 2000 Ärztinnen und Ärzte.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:

Seit März 2025 hat das CHUV im Zusammenhang mit den Meldungen zwei Personen gekündigt. In einem der Fälle soll nicht eine Belästigung, sondern eine Persönlichkeitsverletzung aufgrund bestimmter Äusserungen der Grund sein. Diese Kündigung wurde vor Gericht angefochten, wie RTS berichtet.

Zudem hat die Generaldirektion des Spitals auch vier Verwarnungen und vier Ermahnungen ausgesprochen. Elf weitere mutmasslich schwere Fälle werden noch untersucht.

Angst vor Konsequenzen

Die Gewerkschaften und Verbände hoffen darauf, dass aus den eingegangenen Meldungen konkrete Massnahmen folgen werden und entsprechende Sanktionen ausgesprochen werden. Doch dafür brauche es verlässliche Fakten und nicht nur anonyme Zeugenaussagen. Allerdings müsste die Vertraulichkeit der Meldungen aufgehoben werden, um überhaupt ein Disziplinarverfahren zu eröffnen.

Aus der Anonymität herauszutreten, ist aber für Opfer oft ein schwerer Schritt – aus Furcht vor Folgen für sich und die Karriere. «Wenn sich heute eine Ärztin in Ausbildung über das Verhalten ihres Vorgesetzten beschwert, kann ich nicht garantieren, dass wir sie schützen können», räumt Generaldirektorin Charmet ein. Sie spricht sich dafür aus, dass sich alle Spitäler zusammenschliessen, um diese Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.

RTS 19h30, 12.3.2026, 19:30 Uhr

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