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ETH Lausanne Wie in der Schweiz nach ausserirdischen Signalen gesucht wird

Eine Studie der ETH Lausanne untersucht, ob ausserirdische Signale die Erde unentdeckt erreicht haben könnten.

Seit den 60er-Jahren durchsucht das Programm «Suche nach ausserirdischem Leben» (Seti) den Himmel nach sogenannten «Technosignaturen». Dabei handelt es sich um Spuren von fortgeschrittenen Technologien fremder Zivilisationen in den Untiefen des Weltalls. Auch an der ETH Lausanne wird dazu geforscht. Dennoch ist in den bald 70 Jahren der weltweiten Suche noch nie ein solches Signal entdeckt worden.

Das Gespräch mit Claudio Grimaldi mit deutschen Untertiteln

Laut Claudio Grimaldi, theoretischer Physiker an der ETH Lausanne, gibt es mehrere Faktoren, die das erklären könnten: dass die Signale nie auf der Erde eintrafen oder dass unsere Messinstrumente falsch ausgerichtet oder auf die falschen Frequenzen kalibriert gewesen sind. Vielleicht waren die Signale auch schlicht zu schwach, um erfasst zu werden.

«Der Suchraum ist riesig, und wir haben bisher davon nur einen winzigen Teil erforscht», erklärt Grimaldi gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). So lautet auch das Fazit seiner Studie der ETH Lausanne, die im «Astronomical Journal» publiziert wurde.

Riesige Forschungsgebiete

Die Studie stützt sich auf die sogenannte bayessche Statistik, um die Forschung voranzutreiben. Durch die Integration der Daten bereits erforschter Gebiete können die Forschenden ihre künftigen Beobachtungen besser planen. Claudio Grimaldi kommt zum Fazit, dass die Technosignaturen – wenn sie denn existieren – aus Regionen stammen könnten, die weiter entfernt sind als ursprünglich angenommen – weit mehr als mehrere tausend Lichtjahre.

Was ist die bayessche Statistik?

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Die nach dem englischen Mathematiker Thomas Bayes benannte Statistik wird – ganz simpel erklärt – genutzt, um eine Wahrscheinlichkeitsannahme mit persönlicher Erfahrung zu kombinieren und somit zu präzisieren.

Beispielsweise wirft man einen Blick auf die Wetterprognose und zieht daraus als sogenannte A-priori-Wahrscheinlichkeit den Schluss, dass es am Folgetag eher nicht regnen wird. Wenn man am Morgen dunkle Wolken am Horizont sieht, korrigiert man seine Vermutung, die A-posteriori-Wahrscheinlichkeit: Es könnte heute sehr wohl regnen.

«Wenn ein Signal eines 1000 Lichtjahre entfernten Sternes empfangen wird, bedeutet das, dass es vor 1000 Jahren ausgesendet wurde», erklärt Grimaldi. Die ausserirdischen Signale müssen also lang und stark sein, um überhaupt eine Chance zu haben, entdeckt zu werden – denn je grösser die Entfernung, desto schwächer werden sie.

Bisher haben die Forschungen eine Million Sterne in einem Radius von 500 Lichtjahren um die Erde abgedeckt. Als Vergleich: Die Milchstrasse erstreckt sich über rund 100'000 Lichtjahre. «Um unsere Chancen zu erhöhen, Signale zu entdecken, müssen wir weiter entfernte Regionen erforschen», führt Grimaldi weiter aus. Die neuen Radioteleskope, die in den nächsten Jahren in Betrieb gehen werden, ermöglichen es, das Forschungsfeld zu erweitern.

Die Suche geht weiter

Trotz der Herausforderungen werde die Suche nach den Technosignaturen optimistisch fortgesetzt, betont Grimaldi: «Wir haben noch viel zu lernen und zu erforschen. Jede fehlende Entdeckung bringt uns der Antwort auf diese grosse Frage ein Stück näher: Sind wir allein im Universum?»

RTS CQFD / 17.2.2026 / 10 Uhr; herb

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