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Freiwillig ins Militär Junge Auslandschweizer kehren zurück, um Militärdienst zu leisten

Am Montag haben fast 13'000 junge Männer ihre Rekrutenschule begonnen. Unter ihnen sind auch 45 junge Auslandschweizer – und das, obwohl für sie keine Militärpflicht gilt. Sie haben sich freiwillig für die Armee entschieden.

Valentin Lopez hat fast keine Verbindung zur Schweiz. Er besitzt den Pass mit dem weissen Kreuz dank seines Urgrossvaters, aber seine Familie lebt seit drei Generationen in Frankreich. Trotzdem hat sich der 19-Jährige aus dem Département Haute-Savoie südlich des Genfersees entschieden, in der Schweizer Armee Dienst zu leisten.

«Ich sehe das als Möglichkeit, mich mehr als Schweizer zu fühlen», sagt Lopez gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Ich hatte das Glück, als Schweizer geboren zu werden, lebe aber nicht hier. Man fühlt sich dann ein wenig wie ein Aussenseiter.»

Valentin und rund zwanzig weitere Freiwillige mit Wohnsitz im Ausland wurden letzte Woche zu einer speziellen Rekrutierung nach Payerne aufgeboten. Viele haben wie er die französische Staatsangehörigkeit. Sie könnten auch in Frankreich Dienst leisten und müssten dort nur einen einzigen «Tag der Verteidigung und Staatsbürgerschaft» absolvieren. Danach könnten sie sich vom Dienst dispensieren lassen.

Rückkehr zu den Wurzeln

Auch für Sébastien Albayrak, 18, aus Strassburg ist das keine Option: «Ich möchte nicht nur Militärdienst leisten, sondern mich auch selbst verbessern. Ich finde, das ist eine Win-win-Situation.»

Die Motivation dieser jungen Auslandschweizer mag manche Gleichaltrige in der Schweiz überraschen. Valentin Lopez hofft aber, dass er trotz seiner Herkunft in der Rekrutenschule rasch Anschluss findet. «In der Schweiz werden sie vielleicht sagen, dass ich Franzose bin, und mich ausschliessen. Aber eigentlich macht es keinen Unterschied. Letztendlich sind wir alle gleich.»

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Bei ihm zu Hause, im französischen Dorf Valleiry, ist Pascale, seine Mutter, erfreut. Sie ist in Marseille aufgewachsen und bewahrt eine gute Erinnerung an ihren Grossvater, der selbst Offizier in der Schweizer Armee war. «Für mich ist es, als würde Valentin zu seinen Wurzeln zurückkehren», sagt sie. «Und ich bin stolz darauf.»

Sie verspricht, ihren Sohn in Birmensdorf bei Zürich zu besuchen, einer Kaserne mit schwer auszusprechendem Namen, fünf Zugstunden von ihr entfernt. Valentin wurde dort als Durchdiener der Infanterie zugeteilt. Er überlegt sich, nach der Rekrutenschule eine Kaderausbildung zu machen und danach möglicherweise Polizist in der Schweiz zu werden.

Eine Zunahme der Freiwilligen

Die Auslandschweizer machen nur einen Bruchteil der Rekruten aus. Aber ihre Zahl nimmt zu: Waren es im Jahr 2020 rund fünfzig, die sich pro Jahr freiwillig meldeten, sind es heute fast 90.

Der Kommandant des grössten Rekrutierungszentrums des Landes, Oberst Samuel Crettol, ist diese Zunahme ebenfalls aufgefallen. «Ja, tendenziell gibt es immer mehr. Vielleicht liegt es an den internationalen Spannungen», vermutet er.

Aber die Rekrutierung sei für alle gleich, versichert Crettol. «Bei mir gibt es keine Unterschiede. Was sie von anderen unterscheidet, ist ihre extrem grosse Motivation. Sie sind hier, weil sie es wollen.»

10 vor 10, 13.1.2026, 21:50 Uhr;weds

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