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Höhere Löhne, harter Markt Ist die Zeit der Billig-Tomaten aus Spanien vorbei?

Spaniens Vormachtstellung in der Landwirtschaft wackelt – auch weil unsere Supermärkte um jeden Rappen kämpfen.

El Ejido im Süden Spaniens ist das Epizentrum der europäischen Gemüseproduktion, mit fast 40'000 Hektar Plastikgewächshäusern, fast 4.5-mal so gross wie die Stadt Zürich.

Luftaufnahme von vielen Gewächshäusern mit weissen Dächern.
Legende: 4.5-mal so gross wie die Stadt Zürich: Das «Mar de Plastico», die weltweit grösste Gewächshausansammlung in Südspanien. REUTERS/Nacho Doce

Hier wird nach Angaben des spanischen Landwirtschaftsministeriums rund 40 Prozent des Frischgemüses produziert, das in Europa im Herbst und Winter konsumiert wird. In der Schweiz kamen im Jahr 2025 ein Drittel aller Gemüseimporte aus Spanien.

Günstige Arbeitskräfte und gute Wetterbedingungen sind die Garantie, dass Europa auch ausserhalb der Saison zuverlässig mit Gemüse versorgt wird – zu Preisen, mit denen kein anderes Produktionsland mithalten kann.

Im Jahr 2025 beispielsweise lag der durchschnittliche Herstellungspreis für Rispentomaten aus Spanien bei 91.41 Euro (84.30 Franken) pro 100 kg, verglichen mit 120.49 Euro pro 100 kg für belgische Tomaten. In den kälteren Monaten ist der Unterschied noch grösser.

Doch das System, das auf billigen Arbeitskräften basiert, könnte vor dem Aus stehen. Denn die spanischen Landwirte sind unter Druck: Auf der einen Seite müssen sie heute höhere Löhne bezahlen. Andererseits fordern Supermärkte, die Preise niedrig zu halten und gleichzeitig faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

Hinzu kommt die zunehmend kritische Haltung der Konsumentinnen und Konsumenten, besonders gegenüber Pestiziden.

Vorschriften zu Pestiziden

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Die spanischen Produktionsbetriebe können heute auf weniger Chemikalien zurückgreifen, um ihre intensive Landwirtschaft zu betreiben.

In der Saison 2006 bis 2007 erlitt Almería einen Reputationsschaden, nachdem in Peperoni aus der Region Pestizidrückstände über den empfohlenen Grenzwerten gefunden worden waren. Die Exporte spanischer Peperoni gingen vorübergehend um 20 Prozent zurück.

In Konsumentenbefragungen fungieren die Sorgen über Pestizide stets ganz oben auf der Sorgenliste. Als Reaktion hat die EU in den letzten 25 Jahren die Zahl der zugelassenen Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln von über 1000 auf rund 500 reduziert.

Coop und Migros verfügen über eine eigene Liste verbotener Wirkstoffe und bestätigten auf Anfrage, dass sie über die gesetzlichen Mindeststandards in der Schweiz und der EU hinausgehen.

José Antonio Cánovas Zafra ist Früchte- und Gemüsebauer in vierter Generation und betreibt insgesamt 1500 Hektar Landwirtschaftsfläche in Südspanien.

Sein Unternehmen Kernel Exports vertreibt Früchte und Gemüse in ganz Europa, auch an Schweizer Supermärkte. Zafras rund 250 Angestellte stammen vorwiegend aus Indien oder Pakistan.

«Der Mindestlohn ist in den letzten fünf Jahren um über 30 Prozent gestiegen», sagt er. «Dabei konkurrieren wir auch mit Südamerika, Nordafrika, Südafrika und Osteuropa, wo die Lohnkosten weniger als die Hälfte dessen betragen, was wir hier zahlen.»

Arbeitsmigranten profitieren laut Gewerkschaftsangaben stärker vom höheren Mindestlohn, da sie häufiger als Spanierinnen und Spanier in Niedriglohn-Jobs arbeiten.

Der Stundenlohn in Spanien liegt gemäss Eurostat mit 26.40 Euro (brutto, inklusive indirekter Lohnnebenkosten wie Sozialabgaben) weiterhin unter dem EU-Durchschnitt und zählt nach wie vor zu den wettbewerbsfähigsten in Europa.

Supermärkte sind jedoch nicht bereit, höhere Kosten an ihre Kundschaft weiterzugeben. Trotz jahrzehntelanger Beziehungen zu Supermärkten in ganz Europa steht Zafra stets unter dem Druck, qualitativ hochwertige Produkte zu niedrigen Preisen zu liefern, da die Supermärkte darauf bedacht sind, ihre Margen zu sichern.

Kampf um vier Rappen

Produzent Zafra sagt gegenüber Swissinfo, dass er von einem Schweizer Supermarkt, den er nicht namentlich nennen will, eine Preiserhöhung wegen der Inflation infolge des Irankriegs forderte: vier Rappen pro Kilo Melonen. Der Supermarkt lehnte ab. Der ursprüngliche Preis pro Kilo lag bei 62 Rappen.

Nach zwei Wochen Verhandlungen erreichte Zafra eine Erhöhung um 2,5 Rappen. «Für einen Supermarkt sind vier Rappen Peanuts», sagt er. «Aber für uns kann das den Unterschied ausmachen zwischen Überleben und Verlust.»

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SRF4 News aktuell, 18.6.2026, 16 Uhr

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