«Erschreckend» – so bezeichnet der Westschweizer Konsumentenschutz Fédération Romande des Consommateurs (FRC) die Ergebnisse einer Untersuchung, die er im vergangenen Jahr durchgeführt und gestern Mittwoch veröffentlicht hat.
Testkäufer waren in Supermärkten unterwegs (dt. Untertitel):
Der Konsumentenschutz hat 331 Kassen in dreissig Geschäften in der Westschweiz unter die Lupe genommen. An fast allen – je nach Ort an zwischen 98 und 100 Prozent der Kassen – waren Süssigkeiten ausgelegt. Nun fordert er Massnahmen, auch um Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern entgegenzuwirken.
Ein Angebot für Minderjährige
FRC sieht dahinter ein Marketing, das auf die Jüngsten zielt: Vier von fünf Kassen waren demnach mit Produkten bestückt, die sich an Kinder richten.
Von 2272 analysierten Produkten richteten sich 22 Prozent ausdrücklich an Kinder. Die Auslage direkt an den Kassen der Supermärkte würden besonders stark zu Impulskäufen anregen, so FRC. Es handle sich dabei um kleine Portionen, die nur wenige Franken kosteten – und die man direkt konsumieren könne.
Strategische Zone
Wenige Franken bedeutet jedoch nicht, dass sie günstig sind. FRC bemängelt, dass die Preise an den Kassen höher sind als in den Regalen. Gewisse Schokoriegel kosten pro Stück sogar mehr als das Doppelte im Vergleich zu den in Mehrfachpackungen im Regal.
Der Kassenbereich ist sehr lukrativ. Laut einer deutschen Studie, die FRC in ihrer Umfrage zitiert, macht ein Supermarkt mit dieser Zone im Schnitt 4.7 Prozent des Umsatzes – auf nur 1.1 Prozent seiner Ladenfläche.
Alternativen suchen
Der Westschweizer Konsumentenschutz fordert daher eine Regelung auf Bundesebene. Im Kanton Genf hat der Grosse Rat 2023 gefordert, dass Süssigkeiten an den Kassen entfernt werden.
«Gesündere Produkte könnten die Süsswaren ersetzen: Nüsse, Trockenfrüchte, Kompotte ohne Zuckerzusatz, Wasser oder ungezuckerte Getränke», schlägt FRC vor. Auch praktische saisonale Artikel könnten zum Verkauf angeboten werden, was, versichert FRC, der Rentabilität nicht schaden würde.
Auf Anfrage des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) zeigen sich die fünf Detailhändler aus der FRC-Umfrage offen für die Idee, ausgewogene Produkte an den Kassen zu verkaufen. Migros, Coop, Denner, Aldi und Lidl erklären zudem, dass sie an diesen neuralgischen Durchgangspunkten gesündere Alternativen anbieten.