Der Fall eines Einbruchdiebstahls in ein Waffengeschäft in Camorino bei Bellinzona am vergangenen Wochenende beunruhigt die Ermittler in der ganzen Schweiz. Das Problem gilt den Behörden mittlerweile als so dringlich, dass die Bundespolizei Fedpol beschlossen hat, eine spezielle Task Force einzurichten.
Bereits letztes Jahr gab es eine erste Welle von Raubüberfällen auf Waffengeschäfte, und in den vergangenen Tagen eine weitere.
Die Täter sind in der Regel sehr jung: In Camorino wurden ein 19-jähriger algerischer Staatsbürger und drei Franzosen im Alter von 17, 22 und 25 Jahren verhaftet.
Solche Banden sollen schweizweit für über 150 teils versuchte, teils erfolgreiche Raubüberfälle verantwortlich sein. Im Dezember hatte eine französisch-schweizerische Polizeiaktion ein Netzwerk zerschlagen, das allein zwölf Überfälle begangen haben soll.
Fedpol-Sprecherin Berina Repesa spricht gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) von einer Diebstahlwelle, die das ganze Land betreffe: «Die kriminellen Banden breiten sich immer mehr in der Schweiz aus.»
Die Banden, die Waffengeschäfte ins Visier nehmen, seien teilweise dieselben, die in letzter Zeit mit Diebstählen von Luxusautos für Aufsehen gesorgt haben.
Dass viele Überfälle in die Hose gehen und mit Verhaftungen enden, liegt laut Repesa am dilettantischen Vorgehen der jugendlichen Täterschaft, aber auch an einer neuen Bundesverordnung, die Waffengeschäfte verpflichtet, ihre Sicherheitsmassnahmen zu erhöhen.
Hinter den oft wenig professionell agierenden Tätern stehen laut Repesa jedoch organisierte kriminelle Netzwerke, die die Jugendlichen über soziale Medien in Frankreich rekrutieren.
Die Fedpol-Sprecherin im Interview:
Die gestohlenen Waffen werden von den französischen Banden weiterverkauft oder direkt benutzt, sagt die Fedpol-Sprecherin: «Sie sind zum Beispiel bei Zusammenstössen zwischen rivalisierenden Banden in Marseille wieder aufgetaucht.»
Seit Mai gibt es nun in der Schweiz eine Task Force zur Bekämpfung des Phänomens. Sie wird von der Kantonspolizei Zürich geleitet und umfasst weitere kantonale Polizeikorps. Das Ziel: Ein Bild von der Situation in der Schweiz erstellen, die auf schweizerischem Gebiet aktiven Diebe stoppen und deren Auftraggeber finden.
«Der Austausch mit den Kantonen funktioniert gut, weil es ein gemeinsames Problem ist und auch, weil man gesehen hat, dass die Rekrutierung nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Schweiz stattfindet», so Fedpol-Sprecherin Repesa weiter.