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Nutzungskonflikte in den Alpen Kontroverse nach Kuh‑Video aus dem Wallis

Ein Video von einem Mountainbike-Rennen sorgt für Diskussionen. Und zeigt einen alten Konflikt mit neuer Dringlichkeit.

Das Video eines Teilnehmers am Mountainbike‑Rennen Enduro2 in Bruson bei Verbier VS hat online für Diskussionen gesorgt. Es zeigt zwei Mountainbiker, die einer Kuhherde auf der Strecke begegnen und den Tieren zurufen: «Los, geht mir aus dem Weg! Verschwindet!»

Die Aufnahmen wurden mehr als 60’000 Mal in den sozialen Netzwerken angesehen. Die Kühe erschraken, die Fahrer setzten ihre Abfahrt fort.

Person auf einem Mountainbike auf einem Pfad mit Kühen im Hintergrund.
Legende: Sorgt für rote Köpfe: Screenshot aus dem Video von der Abfahrt. RTS

Die Organisatoren des Rennens hatten nach eigenen Angaben noch am Morgen gemeinsam mit dem Älpler die Herde von der Strecke weggebracht. «Leider ist es nicht wie geplant verlaufen. Das sind Dinge, die wir in Zukunft überdenken müssen», sagt Mitorganisator Quentin Tornay im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.

Eine mögliche Lösung wären Zäune entlang der Strecke gewesen. Das hätte jedoch zusätzlichen Aufwand bedeutet. «Ganz klar muss der Bewirtschaftung der Alp Priorität gegeben werden», sagt Pascal Tornay, Präsident der Agriculture du Grand‑Entremont. Die Belastung durch zusätzliche Aktivitäten dürfe nicht zulasten der Landwirtschaft gehen.

Der Mountainbiker, der das Video veröffentlicht hatte, räumte später einen Fehler ein. «Das Video stammte von einem zeitgestoppten Rennen. […] Es war engstirnig von mir, dass ich die Auswirkungen auf die Gemeinschaft nicht berücksichtigt habe», sagte er gegenüber der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste». In einer normalen Situation würde er niemals so mit Tieren umgehen.

Streit um Mist und Glocken

Der Vorfall hat eine breitere Debatte neu entfacht. Denn Konflikte rund um den alpinen Alltag häufen sich, seit während und nach der Pandemie mehr Menschen in die Berge gezogen sind oder dort ihre Freizeit verbringen: Geruch von Mist, Kuhglocken oder Lärm bei traditionellen Dorffesten sorgen immer wieder für Reklamationen.

Was Organisatoren und Alp-Vertreter sagen:

Im Val de Bagnes wurde eine Petition eingereicht, die Toleranz gegenüber lokalen Traditionen ausdrücklich in einem Reglement festhalten will. Bereits jetzt stellt die Gemeinde neuen Einwohnerinnen eine Informationsbroschüre zu, die ihnen die Traditionen der Gemeinde erklärt.

Die Person, die zuerst da war, sollte ein Wörtchen mitzureden haben.
Autor: Joachim Rausis Präsident GPMVR

Auf der anderen Talseite in Ovronnaz beschäftigt ein Streit zwischen einem Chaletbesitzer und Viehzüchtern die Behörden. Der Besitzer störte sich am Lärm der Kuhglocken und rief die Polizei. Auch dort wurden Forderungen laut, die traditionellen Aktivitäten der Landwirtschaft besser zu schützen.

Für Joachim Rausis, Präsident des Groupement de la population de montagne du Valais romand (GPMVR), sind solche Konflikte allerdings kein neues Phänomen. «Es sind seltene Fälle, die als solche behandelt werden müssen», sagt er. Zwar entstehe der Eindruck, dass die Spannungen mit dem Zuzug in die Berge zunehmen. Neu seien sie jedoch nicht.

Rausis betont, dass bei einem Zusammenprall unterschiedlicher Lebensweisen jene Menschen berücksichtigt werden sollten, die bereits vor Ort leben. «Die Person, die zuerst da war, sollte ein Wörtchen mitzureden haben.»

Die Konflikte können bis vor Gericht führen. Im Kanton Freiburg beschäftigte ein Streit um Kuhglocken sogar das Bundesgericht.

Trotz unterschiedlicher Interessen sind sich Sport, Tourismusvertretung und Landwirtschaft einig: Damit die Berge für alle zugänglich bleiben, braucht es gegenseitigen Respekt – und die Bereitschaft, die Lebensweise der anderen zu akzeptieren.

RTS, 19h30, 9.7.2026, 19:30 Uhr

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