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Rohstoffbedarf Widerstand gegen Kiesgruben am Jurafuss wächst

Neue Kiesgruben im Waadtland stossen auf Widerstand. Kritiker warnen vor Folgen für Natur und Bevölkerung, der Kanton hält an den Projekten fest.

Der Jurafuss verfügt über bedeutende Kiesvorkommen und beherbergt fünf der 14 vom Kanton priorisierten Abbaugebiete.

Deshalb stösst die Kiesgrube auf Widerstand (dt. Untertitel):

Ballens als Symbol des Widerstands

Besonders umstritten ist das Projekt in Ballens (VD). Dort wehrt sich ein lokaler Verein gegen die geplante Kiesgrube im Wald. Ende Juni reichte er eine Petition mit 15'000 Unterschriften gegen das Vorhaben ein.

Das Waadtländer Umweltdepartement weist jedoch darauf hin, dass die Prüfung des Projekts noch nicht abgeschlossen sei. Ein Termin für die öffentliche Auflage steht deshalb noch nicht fest.

Die Gegner wollen dennoch nicht abwarten. «Im Jahr 2026 einen Wald zu zerstören, ist einfach nicht mehr vertretbar», sagte François Cuneo vom Verein gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

Luftaufnahme eines Waldes und umliegender Felder.
Legende: Im Kanton Waadt wächst der Widerstand gegen geplante Kiesgruben am Jurafuss. RTS

Aus Sicht der Gegner erfüllt der Wald eine wichtige klimatische Funktion. Zudem verweisen die Gegner auf die Bedeutung des Gebiets für das Grundwasser, das rund 5000 Menschen in der Region versorgt.

Auch das Projekt «Les Bulles» sorgt für Kritik

Widerstand regt sich auch gegen die geplante Kiesgrube «Les Bulles» zwischen La Chaux und Grancy. Es handelt sich um das derzeit am weitesten fortgeschrittene Projekt im Kanton.

Anwohnerinnen und Anwohner kritisieren insbesondere die Grösse der Anlage. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Kiesgrube. Problematisch sind vor allem ihre Dimensionen und die Nähe zu den umliegenden Dörfern», sagt Stéphanie Personeni, Mitgründerin des Kollektivs «Préservons Les Bulles».

Das Kollektiv befürchtet zudem mehr Strassenverkehr sowie negative Auswirkungen auf nahegelegene Gewässer.

«Man hat den Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen höher gewichtet wurden als das Gemeinwohl», so Personeni.

Der Kanton verweist auf den Rohstoffbedarf

Die kantonalen Behörden betonen dagegen die strategische Bedeutung der Kiesgewinnung. Nach ihren Angaben stammen derzeit 25 Prozent des im Kanton verwendeten Kieses aus Frankreich. Ein weiteres Viertel kommt aus Recyclingmaterial.

Dennoch reichten diese Quellen nicht aus, um den jährlichen Bedarf von rund zwei Millionen Kubikmetern zu decken.

«Wir versuchen, den Anteil wiederverwendeter Materialien zu erhöhen. Ein Teil der Nachfrage wird aber auch künftig durch den Abbau gedeckt werden müssen», sagt Sébastien Beuchat, Direktor der Direktion für natürliche Ressourcen und Naturerbe (DIRNA).

Streit um Alternativen zu Beton

Auch bei den Baumaterialien gehen die Meinungen auseinander. Die Gegner plädieren für Alternativen zu Beton.

«Verdichtete Erde, Lehm, Stampflehm oder Stroh sind ernstzunehmende Alternativen, mit denen sich sogar tragende Wände bauen lassen», sagt François Cuneo. Beton sei heute nur noch bei speziellen Bauwerken unverzichtbar.

Der Kanton anerkennt das Potenzial solcher Materialien. «Wir fördern alternative Baustoffe und das Recycling», sagt Beuchat. «Derzeit können diese Lösungen Kies aber nicht vollständig ersetzen. Für Infrastrukturprojekte, Strassen oder öffentliche Gebäude wird weiterhin Beton benötigt.»

Nach Angaben der kantonalen Umweltbehörden sind derzeit 35 Abbaustandorte in Betrieb. Beim Projekt «Les Bulles», dessen öffentliche Auflage Ende Mai abgeschlossen wurde, könnten die Vorarbeiten 2027 beginnen. Die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen – sofern die Einsprachen bis dahin behandelt sind.

RTS 19h30, 11.07.2026, 19:30 Uhr;weds

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