Es ist der Moment, den Bruno Perroud, Hobby-Winzer in Savièse (VS), seit Monaten ersorgt hat. Im Beisein seiner ganzen Familie beginnt er an diesem Wochenende Ende Februar damit, einen Teil seiner Reben auszureissen.
«Es ist hart», sagt er dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Die Rebstöcke dort drüben sind über 50 Jahre alt. Ich habe sie mit meinem Grossvater gepflanzt. Also bitte ich ihn um Verzeihung.»
So begründet ein Walliser Winzer das Ausreissen seiner Rebstöcke:
Das Ausreissen der Rebstöcke ist unvermeidlich geworden. Die Schweizer Weinkeller können seit Jahren ihren Wein nicht mehr so absetzen wie früher. «Das hat vor drei Jahren angefangen», berichtet der Hobby-Winzer. «Die Keller können die Trauben nicht mehr abnehmen. Der Traubenpreis deckt die Arbeitskosten nicht mehr. Also hören die Leute auf.»
Lokale Kundschaft zurückgewinnen
Um Konkurse und vor allem menschliche Dramen zu verhindern, haben der Bund und die betroffenen Kantone beschlossen, das freiwillige Ausreissen zu unterstützen. So könnten in den nächsten zwei Jahren 10 Prozent der Rebberge im Wallis, im Waadtland und in Genf verschwinden, gemäss Schätzungen der Kantone und der Weinbauverbände.
Am stärksten vom Ausreissen betroffen sind die Hanglagen, da sie schwieriger zu bewirtschaften sind.
«Diese Begleitmassnahmen betreffen nur die professionellen Winzer», erläutert Nadine Pfenninger-Bridy, kantonale Önologin des Wallis. «Wegen des Zeitdrucks haben wir keine Ausreiss-Strategie festgelegt. Wir riskieren, dass ein Flickenteppich entsteht, ein unkoordiniertes Ausreissen. Und das würde natürlich Auswirkungen haben auf die Rebberge und die Landschaft.»
Für die Hangterrassen des Lavaux könnte die Weinkrise den Eintrag im Unesco-Weltkulturerbe in Frage stellen. Aber die Winzer haben andere Sorgen. Zum Beispiel die, wie sie die lokale Kundschaft zurückgewinnen.
«Es gibt die Generation meiner Eltern. Sie sieht Wein als etwas, das zu jeder Mahlzeit passt», sagt Basile Monachon, Winzer in Rivaz (VD), gegenüber RTS. «Es ist etwas Soziales, Gastronomisches und Geselliges. Die junge Generation sieht das viel weniger so.»
Weltweites Phänomen
Der Rückgang des Weinkonsums ist weltweit zu beobachten: minus 12 Prozent im Zeitraum von 2018 bis 2024, gemäss der Internationalen Organisation für Rebe und Wein. Die amerikanischen und französischen Rebberge werden bereits verkleinert, um auf die geringere Nachfrage zu reagieren.
«Der Berufsstand muss sich an die heutigen Konsumtrends anpassen», fordert Thierry Gaillard, Generaldirektor des Weinhauses Schenk in Rolle (VD).
In seinem Kampf ums Überleben will die Branche jetzt auch die Schweizer Bevölkerung mobilisieren. Mehr als 500 Schweizer Winzer aus sieben Kantonen wollen eine Volksinitiative lancieren, die unter anderem darauf abzielt, die Steuern auf ausländischen Weinen zu erhöhen.