Ein Jahr, nachdem ein iranischer Akademiker unter Spionageverdacht verhaftet worden war, planen Schweizer Universitäten eine strengere Überprüfung von Forschenden und Studierenden, um Hightech-Spionage durch feindliche Staaten einzudämmen.
Mohammad Abedini war in Italien im Auftrag der USA festgenommen worden. Zuvor hatte er mehrere Jahre an der ETH Lausanne gearbeitet. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Navigationssysteme für Drohnen und Raketen an den Iran geliefert.
Kurz nachdem der Iran einen italienischen Journalisten freigelassen hatte, wurde Abedini in den Iran zurückgeführt – ein Vorgang, den einige als politischen Tausch sehen.
Nun schlägt eine Überprüfung durch den Dachverband der Schweizer Universitäten eine nationale Strategie vor, um zu verhindern, dass kritisches Wissen gestohlen oder von militärischen Gegnern genutzt wird. Zu den sensiblen Bereichen zählen künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Biotechnologie.
Die Praktiken zur Überprüfung ausländischer Studierender in der Schweiz sind zurzeit noch fragmentiert und unkoordiniert. Viele Bildungs- und Forschungseinrichtungen konnten laut der «NZZ am Sonntag» keine oder nur «vage» Angaben zu ihren Sicherheitsmassnahmen machen.
«Universitäten weltweit sind Ziele von Geheimdiensten und anderen Regierungsbehörden, besonders dort, wo Spitzentechnologie ein Schlüsselelement der Forschung darstellt», sagte Günther Dissertori, der Rektor der ETH Zürich, gegenüber Swissinfo, dem Online-Informationsdienst der SRG für die Schweizer Bevölkerung im Ausland. «Die Schweiz ist schliesslich keine Insel.»
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Um Risiken zu verringern, sollen Universitäten Stellen für Wissenssicherheit einrichten. Diese sollen Gefahren einschätzen bei Kooperationen mit Hochrisikoländern und Beratung anbieten zu Themen wie Zugangsbeschränkungen zu sensiblen Daten. Für Gastforschende könnte dann der Zugriff auf Labore und Daten eingeschränkt werden. Ein nationales Zentrum soll zudem Warnungen – etwa vor Cyberangriffen – schnell weitergeben.
Zulassungs- und Rekrutierungsregeln sollen vereinheitlicht und risikoreiche Bewerbungen hochschulübergreifend geteilt werden. So soll verhindert werden, dass Bewerbende mehrere Anträge nutzen, um Unterschiede zwischen Verfahren auszuspielen. Wer an einer Institution abgelehnt wird, soll sich auch nicht an einer anderen bewerben können.
Als Beispiel dient das niederländische Modell: Dort koordiniert seit 2022 eine zentrale Kontaktstelle den Austausch zwischen Hochschulen, Behörden und Sicherheitsdiensten und unterstützt beim Umgang mit Spionagebedrohungen. In der Schweiz hingegen sind die Zuständigkeiten bisher dezentral organisiert. Ein nationales Kompetenzzentrum würde einheitliche Standards schaffen und kleinere Hochschulen entlasten. Damit liesse sich, so ETH-Rektor Günther Dissertori, die Offenheit der Forschung besser mit dem Schutz sensibler Technologie verbinden.