Vor Kurzem war im Amtsanzeiger von Tübach am Bodensee zu lesen: «Mäuse fangen lohnt sich!» Wer in der Gemeinde eine Maus fängt, kann den Schwanz als Beweis beim Werkhof abgeben. Dafür gibt es einen Franken pro Stück.
Die Aktion habe aber noch einen anderen Grund, erklärte Gemeindepräsident Michael Götte Anfang Januar dem «St. Galler Tagblatt». «Wir richten seit ewigen Zeiten Fangprämien aus. Im Herbst ist uns aufgefallen, dass in diesem Jahr noch kein einziger Franken ausbezahlt wurde. Wir wollten die Leute an die Mäuseprämie erinnern.»
Wird die Zahl der Mäuse oder Wühlmäuse nicht reguliert, kann dies für die Landwirtschaft zum Problem werden. Wühlmäuse gehören zu den Säugetieren mit der höchsten Fortpflanzungsrate: Ein einziges Paar kann über den Sommer mehr als 100 Nachkommen haben. Alle paar Jahre kommt es wieder zu einer «Mäuseplage».
«Die Alternative wäre Gift»
Auch in anderen Gemeinden ist die Fangprämie fest etabliert. «Die Mäusejagd ist bei uns Tradition. Das wird schon ewig so gehandhabt und hat sich bewährt», sagte Peter Kindler, damaliger Gemeindepräsident von Sennwald, 2017 gegenüber «20 Minuten». Im Vorjahr seien dort 10’000 Schwänze abgegeben worden. Die Prämie betrug 1.50 Franken pro Stück.
Die Alternative wäre Gift, das wolle man vermeiden, betont Fredy Schöb, ehemaliger Gemeindepräsident des Nachbardorfs Gams. Gift könne auch Vögel oder andere Tiere schädigen. Die Jagd sei deshalb eine natürliche und verhältnismässig schonende Methode. Gams hatte 2016 rund 4000 Franken zur Bekämpfung der Nager budgetiert – doch das reichte nicht aus.
Zehn Jahre später liegt das Budget bei 6000 Franken. «Es werden alle bezahlt, auch wenn das Budget überschritten wird», sagt der aktuelle Gemeindepräsident Manuel Schöb gegenüber SWI swissinfo.ch. Für viele sei es Tradition und für Kinder eine Möglichkeit, ihr Sackgeld aufzubessern.
«Mausen hält fit»
Nicht nur Kinder sammeln Mäuseschwänze. 2021 machte der 67‑jährige Andreas Schären aus Remetschwil im Kanton Aargau Schlagzeilen. Er lieferte bis zu 500 Schwänze pro Monat ab. Nach eigenen Angaben hatte er «wohl das Budget der Gemeinde gesprengt». Ende 2021 stellte Remetschwil die Fangprämie von einem Franken ein.
«Die Zahl der abgegebenen Schwänze ist plötzlich explodiert», erklärte Gemeindeschreiber Roland Mürset gegenüber Blick. Früher seien es pro Jahr rund 200 Schwänze gewesen. Dann stieg die Zahl abrupt – und zwar pro Monat. Damit endete die über 100-jährige Tradition in Remetschwil.
Mäuseschwanztourismus
Schären bedauert den Entscheid. «Das Mäusejagen ist eine Beschäftigung in der Natur, die einen fit hält.» Er erzählte, wie er schon als Kind auf dem Hof seiner Familie auf Mäusejagd ging. Nach seiner Pensionierung begann er wieder damit. «Mein Rekord an einem Tag liegt bei 128. Insgesamt habe ich in zwei Jahren über 6000 Mäuse gefangen.»
Die Prämien unterscheiden sich je nach Gemeinde deutlich. Ziefen bezahlt 50 Rappen pro Schwanz, Gams 1.50 Franken. Lauenen im Berner Oberland erhöhte vor einigen Jahren auf einen Franken, nachdem das benachbarte Saanen höhere Tarife angekündigt hatte. Die Gemeinde wollte damit einem möglichen «Mäuseschwanztourismus» vorbeugen, wie sie gegenüber dem Spiegel erklärte.