Dafalgan-Sirup gehört in der Winterzeit zu den meistverwendeten Medikamenten für Kinder und wird häufig gegen Fieber oder Schmerzen verschrieben. Seit einigen Wochen müssen Familien jedoch den vollen Preis zahlen – selbst wenn sie ein Rezept vom Arzt haben.
Denn der Sirup ist derzeit in der Schweiz ausverkauft. Die Alternative «Dafalgan Dolo» ist inhaltlich identisch und stammt vom gleichen Hersteller, wird aber nicht von der Krankenkasse übernommen.
Warum der Dafalgan-Sirup plötzlich fehlt (mit dt. Untertiteln)
«Unser Grosshändler hat uns Ende letzten Jahres mitgeteilt, dass der Dafalgan-Sirup nicht mehr vorrätig ist», bestätigt Christophe Berger, Präsident des Waadtländer Apothekenverbandes, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Dafalgan Dolo sei «genau dasselbe Medikament», nur mit anderer Verpackung. «Es handelt sich lediglich um die Version, die nicht von der Grundversicherung erstattet wird und für die der Hersteller Werbung machen darf.»
Der Apotheker beobachtet, dass der Engpass bei vielen Familien Fragen auslöst: «Die Eltern sind überrascht, es herrscht Unverständnis. Die Flasche kostet nur acht Franken (gegenüber 2.55 Franken für die rückerstattete Version, Anm. d. Red.). Normalerweise kann sich das jeder leisten, aber wir hatten dennoch einige Leute, die Mühe hatten.»
Für den Paracetamol-Sirup gibt es weder ein Generikum noch eine echte Alternative. «Der Hersteller ist in einer Monopolsituation», sagt Berger. Entsprechend gross ist die Abhängigkeit vom französischen Hersteller UPSA.
Neue Verpackung sorgt für unerwartete Verzögerungen
UPSA wollte die Verpackung des Sirups überarbeiten und mit einem versiegelten Verschluss («Glue Closure») ausstatten. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic genehmigte die Änderung zunächst nur für «Dafalgan Dolo».
Bei der vom Arzt verschriebenen Version verlangte die Behörde eine Anpassung im Layout: Der Hinweis «Pädiatrischer Sirup» musste näher beim Markennamen stehen. «Dieser Änderungsantrag überraschte uns, da dieses Layout seit Jahren auf dem Markt war», sagt Patrick Leimgruber, Direktor von UPSA Switzerland.
Die Entscheide zu Dafalgan und Dafalgan Dolo wurden am 31. Oktober gleichzeitig getroffen. Swissmedic betont jedoch, nichts von einem möglichen Engpass gewusst zu haben: «Das Unternehmen hat uns nicht darüber informiert», sagt Sprecher Lukas Jaggi. Zudem liege die Verantwortung für korrekte Anträge bei den Herstellern.
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Der ursprüngliche Antrag sei «in einer Form eingereicht worden, die verfahrenstechnisch nicht zulässig war» und musste deshalb überarbeitet werden.
UPSA räumt ein, dass mangelnde Kommunikation zur Situation beigetragen haben könnte. Betroffen ist weiterhin nur die günstigere Version, die von der Krankenkasse übernommen wird. «Wir bedauern die Folgen und arbeiten mit höchster Dringlichkeit daran, die erstattbare Variante wieder verfügbar zu machen», erklärt Leimgruber.
Lieferung soll im Frühjahr wieder anlaufen
Die Produktion der neuen Verpackung soll Ende Februar im Werk im französischen Agen starten. Erste Lieferungen in die Schweiz sind für März geplant. Eine schrittweise Rückkehr des günstigeren Dafalgan-Sirups in die Apotheken wird im Laufe des Frühjahrs erwartet.