Eine Karikatur ist dazu da, die Realität satirisch zu kommentieren. Doch in Zeiten von kruden Verschwörungstheorien oder täglicher Realsatire aus dem Weissen Haus wird das immer schwieriger.
Einer, der schon seit vielen Jahren mit unverwechselbarem Strich das Zeitgeschehen kommentiert, ist der Cartoonist und selbständige Grafiker Ruedi Widmer. Nun erscheint sein Sammelband mit den besten Cartoons der letzten Jahre.
«Too big to sail... Es stand eigentlich schon immer da. Und auch die Segelschiffe von First Boston waren immer auf dem Logo der Credit Suisse. Also ja, die Zutaten sind da. Man muss sie einfach zusammenbringen», erzählt Widmer an der Buchvernissage in Zürich.
«Früher hat man absurde Dinge für Witze gebraucht. Heute ist das quasi in die Politik gekommen.» Trump arbeite mit satirischen Werkzeugen wie Übertreibungen oder Umkehrungen und setze diese in der Realität ein, sagt Widmer. «Das ist sowohl für meinen Beruf als auch für die Welt besorgniserregend. Man kann aber sagen: Wenn man humanistischen Humor einsetzt und den Zynismus weglässt, kann man guten Humor machen.»
Doch nicht immer muss es politisch sein. Gerade in Krisenzeiten kann ein Cartoon den Lesenden eine kurze Verschnaufpause liefern.
Widmer ist überzeugt, dass man den Leuten in solchen Krisenzeiten etwas geben soll. «Man muss Humor als Heilmittel, als Therapie einsetzen oder als Wellness.»
Mal politisch, mal bissig, mal charmant – und sogar beim Thema Klimawandel findet Ruedi Widmer die passende Pointe.