Mit der Lupe suchen muss man Gina Rinehart eigentlich nicht. Denn die Bergbaumagnatin liebt den Kult um ihre Person. Dass der «Guardian» trotzdem auf Spurensuche ging, hat andere Gründe.
Der reichste Mensch Australiens weilte nämlich vergangenes Jahr an Trumps Wahlparty in Mar-a-Lago. Der «Guardian» zeichnete minutiös nach, mit wem sie Hände schüttelte und sich unterhielt. Journalistische Detektivarbeit.
Überraschend war Rineharts Reise nach Florida nicht: Berichte über ihre glühende Verehrung der MAGA-Bewegung gibt es zuhauf. So soll sie die Angestellten ihrer Firmen dazu aufgefordert haben, Trumps Antrittsrede anzusehen.
Solidarität mit «Peanut»
Rinehart selbst zählt sich zu den «Trumpettes» – einer Gruppe vermögender Frauen, die an Cocktailpartys für die Agenda des US-Präsidenten trommelt.
Toni Holt Kramer, die Gründerin der «Trumpettes», würdigt Rinehart als «weibliche Donald Trump». Die, glaubt man dem «Guardian», eine silberne Skulptur von «Peanut» besitzt.
Peanut gilt seit seinem «Märtyrertod» als Maskottchen der rechtslibertären Bewegung – und der Wut auf den übergriffigen Staat, der nicht einmal vor wehrlosen Nagern Halt macht.
Nun macht Rhinehart erneut Schlagzeilen: mit dem Ende eines dreizehnjährigen Gerichtsstreits – mit ihren eigenen Kindern. So muss die auf über 20 Milliarden Franken geschätzte Unternehmerin einen Teil ihres Vermögens an ihre Erben abtreten.
«Ein paar Hundert Millionen an ihre Erben abzugeben, wird Rinehart zwar ärgern», sagt SRF-Korrespondent Urs Wälterlin. «Aber das zahlt die Multimilliardärin aus der Kaffeekasse.»
Kontrollwahn, vielleicht auch Geiz? Warum Rinehart ihre eigenen Kinder vom Familienunternehmen fernhalten will, bleibt Spekulation. Der Ausgang der Geschichte ist für Wälterlin aber eine Tragödie: «Rinehart hat Hancock Prospecting zu einem Bergbauimperium gemacht – ihre Familie hat sie dabei aber verloren.»
Die 71-Jährige stammt aus Perth. In ihrem feudalen Anwesen lädt sie illustre Gäste zu Pferdeshows und Partys ein; flankiert von australischen Olympia-Stars schipperte sie auch schon über die Seine.
Als Mäzenin fördert Rinehart den australischen Sport. Auch ihr philanthropisches Engagement ist unbestritten.
Mit einem konservativen Thinktank und Spenden an die Opposition versucht Rinehart, auch auf die Politik einzuwirken. «Sie beeinflusst die Politik und öffentliche Debatte direkt – und wohl so stark wie niemand sonst in Australien», berichtet der SRF-Korrespondent.
Personenkult im eigenen Unternehmen
Mit US-Präsident Trump verbindet Rinehart auch das Motto «Drill, baby, drill!»: Ihre Unternehmen fördern mittlerweile auch Öl und Gas und betreiben Viehwirtschaft im grossen Stil. Den Klimawandel bezeichnet die Unternehmerin als Mythos.
Umweltauflagen betrachtet sie als Ärgernis, ebenso den Anspruch der Aborigines auf ihr Land. Auch wenn sie gemässigter auftritt als ihr Vater.
Rinehart mag eine knallharte Geschäftsfrau sein. Als Chefin hat sie aber auch eine andere Seite. «Sie soll ihren Mitarbeitenden zu Weihnachten nicht nur gelegentlich einen Schinken, sondern gleich ein Auto schenken», sagt Wälterlin.
Im Gegenzug für hohe Boni und lukrative Gewinnspiele lässt sie sich – auf ausdrücklichen Wunsch – Dankesbriefe von der Belegschaft zukommen. Wer von ihrer Grosszügigkeit profitiert, dürfte die Chefin umso überschwänglicher loben.