Ein Denkmal für Wehrmachts-Deserteure

65 Jahre hatte es gedauert bis Österreich Wehrmachts-Deserteure und Kriegsdienst-Verweigerer juristisch rehabilitierte. Fast 70 Jahre ging es, bis diese mutigen Gegner des Nationalsozialismus in aller Öffentlichkeit gewürdigt werden. Nun wurde in Wien ein Denkmal für Sie enthüllt.

Die Enthüllung des sogenannten Deserteur-Denkmals dürfe nicht der Schlusspunkt einer langen Geschichte sein. Sie müsse der Anfang einer Debatte über die Grenzen von Befehl und Gehorsam sein, so das Komitee «Gerechtigkeit für die Opfer der Nazi-Militärjustiz». Seit Jahrzehnten kämpft es für die Rehabilitierung der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in Österreich.

Gekürzte Rente für Dienstverweigerer

Mehrere Zehntausend Österreicherinnen und Österreicher haben während des Zweiten Weltkrieges Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet. Gegen 3000 wurden hingerichtet, viele von ihnen ohne Prozess standrechtlich erschossen. Hunderte weitere Dienstverweigerer und Deserteure wurden zum Tode oder Lagerhaft verurteilt.

Wenn sie überlebten, wurden sie im Alter nochmals bestraft: Ihre Rente wurde wegen der Jahre, die sie in Nazi-Kerkern verbracht hatten, akkurat gekürzt. Dies im Gegensatz zu jener ihrer Häscher in der SS oder der NSDAP, die dem Regime bis zum Untergang gedient hatten.

Und auch Nachkommen von Hingerichteten erlebten böse Überraschungen, wenn sie sich für eine Rehabilitierung ihrer Väter einsetzten. So hoben Gerichte sogenannte Standgerichtsurteile gegen Widerstandkämpfer lange Zeit nicht auf, weil die «schriftliche Urteilsausfertigung» fehlte.

Nicht alle freut die überfällige Rehabilitierung

Nun wird dieser NS-Opfer endlich öffentlich gedacht. Das Denkmal steht an prominenter und symbolischer Stelle am Heldenplatz, wo Hitler 1938 den Anschluss ans Deutsche Reich verkündete.

Doch gegen den Festakt und das Denkmal gibt es auch Proteste. Der Österreichische Kameradschaftsbund etwa wandte sich in einer Mitteilung «in aller Schärfe gegen ein solches Denkmal auf Kosten der Steuerzahler». Desertion sei in allen Rechtsstaaten ein Strafdelikt und deshalb ein solches Denkmal eine Desavouierung der gefallenen Kameraden.

Auch der Führer der Freiheitlichen Partei, Heinz-Christian Strache, bezeichnete im Vorfeld das geplante Denkmal als «katastrophalen Fehler». Gewiss habe es unter den Deserteuren auch heldenhafte Widerstandskämpfer gegeben, aber auch Mörder. «Kameradenmörder», wie sie Strache betitelte. Diese dürfe man nicht pauschal glorifizieren.

Das Justizministerium kommt allerdings zu einem anderen Schluss: In 1276 untersuchten Fällen von Fahnenflucht seien in genau zwei Fällen Menschen zu Tode gekommen.

Nazi-Opfer wurden nicht eingeladen

Das jetzt enthüllte Denkmal werde ein Umdenken in der Öffentlichkeit erleichtern, so die Hoffnung von einem der letzten noch lebenden Wehrmachtsdeserteure in einem Zeitungsinterview. Nötig wäre es. Denn die Opferverbände, die Widerstandskämpfer oder der Verband der KZ-Überlebenden wurden für die Denkmalenthüllung und den anschliessenden Festakt heute nicht eingeladen. Man hat es schlicht vergessen.