Die US-Administration von Donald Trump hat in den letzten Tagen ihren Anspruch auf Grönland akzentuiert. Es wurde ein Kauf oder sogar eine militärische Invasion ins Spiel gebracht. Welche Interessen dahinterstecken, erklärt SRF-Börsenkorrespondent Jens Korte in New York.
Welche wirtschaftlichen Interessen hat Trump an Grönland?
Einmal mehr geht es unter anderem um Öl und Erdgas. Vor der Küste Grönlands – also Offshore – werden grosse Vorkommen vermutet. Zudem soll es in Grönland viele weitere Bodenschätze geben, darunter Seltene Erden. Die US-Regierung hat eine Liste mit 50 Mineralstoffen, die sie als kritisch einstuft – und 39 davon sollen in Grönland vorhanden sein.
Ausserdem werden die Seehandelsrouten mit dem infolge des Klimawandels zurückgehenden Eises in der Nordpolarregion immer leichter befahrbar und dadurch wichtiger für die USA. Und nicht zuletzt werden von der US-Regierung immer wieder sicherheitspolitische Aspekte betont.
Könnten sich die USA den Zugang zu den Ressourcen auch auf legalem Weg sichern?
Viele Experten gehen davon aus, dass die USA über Vereinbarungen mit Grönland und Dänemark Zugang bekommen könnten. Allerdings kann die US-Regierung viel freizügiger vorgehen, wenn sie komplette Kontrolle über Grönland hätte – etwa bei der Ausbeutung der vermuteten Rohstoffe. Der Zugang zu diesen Rohstoffen ist jedoch alles andere als einfach. Es wären immense Investitionen über Jahre oder sogar Jahrzehnte nötig.
Und was die Sicherheitsinteressen angeht: Die US-Armee hat schon jetzt Basen auf Grönland. Und Dänemark hat Bereitschaft signalisiert, einen Ausbau dieser Basen zu unterstützen. Die USA haben im Übrigen schon in der Vergangenheit immer wieder ein Auge auf Grönland geworfen, so etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals boten sie 100 Millionen Dollar in Gold für die Insel, blitzten damit bei Dänemark aber ab.
Welche US-Firmen würden von einer Übernahme profitieren?
Es gibt eigentlich nur ein US-Unternehmen, das auf Seltene Erden spezialisiert ist: MP Materials. Die Aktie des Unternehmens stieg in den letzten Tagen denn auch leicht an. Daneben könnten längerfristig auch US-Infrastrukturunternehmen von einer Übernahme Grönlands durch die USA profitieren, die im Gas- oder Erdölbereich Dienstleistungen anbieten. Dazu gehört etwa Burton. Auch Erdölkonzerne könnten interessiert sein, zu investieren. Aber: Das alles ist Zukunftsmusik. Und bis allenfalls ein Unternehmen Geld verdienen würde, wird es noch viele Jahre dauern.