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Kampf gegen Übergewicht Grossbritannien verbannt Junk-Food-Werbung

Nichts für Kinderaugen: Im Vereinigten Königreich gilt neu ein Werbeverbot für ungesundes Essen.

Die Pizza kommt heiss und knusprig aus dem Holzbackofen. Das Salatblatt landet wie eine Feder auf dem saftigen Fleisch. Kaum ein Werbeblock kommt ohne Fast Food aus.

Im Vereinigten Königreich ist damit jetzt Schluss: Seit Montag ist Fernsehwerbung für Junk Food verboten. Zumindest bis 21 Uhr – also bis die Kinder im Bett sind (oder sein sollten).

Hand hält Cheeseburger vor Tablett mit Pommes und Getränk.
Legende: Im Internet und im Fernsehen darf kein ungesundes Essen mehr beworben werden. Im Radio und in Podcasts gibt’s keine Einschränkungen. Das Auge isst mit – das Ohr offenbar nicht. Getty Images/Stock

«Mit den Restriktionen unterbinden wir die exzessive Zurschaustellung von ungesunden Lebensmitteln», sagte die britische Gesundheitsministerin Ashley Dalton.

Mit dem Werbeverbot für Energydrinks, Chicken Nuggets oder süsse Frühstücksflocken will man in erster Linie Kinder schützen.
Autor: Patrik Wülser SRF-Korrespondent in London

Welche Produkte vom Werbeverbot betroffen sind, wird mit einem Punktesystem eruiert. Dieses berücksichtigt, Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Ziel ist vor allem, die Kleinsten sanft in die richtige Richtung zu schubsen.

«Mit dem Werbeverbot für Energydrinks, Chicken Nuggets oder süsse Frühstücksflocken will man in erster Linie Kinder schützen», berichtet SRF-Korrespondent Patrik Wülser aus London.

Jedes zehnte Kind fettleibig

Laut dem britischen Gesundheitsdienst (NHS) ist jedes zehnte Kind im Kindergartenalter fettleibig. Jedes fünfte hat bereits im Alter von fünf Jahren Karies. Studien zeigen zudem, dass Kinder ungesunde Essgewohnheiten im Erwachsenenalter nur schwer ablegen können.

Wülser macht auf einen weiteren Faktor aufmerksam: Gesunde Ernährung muss man sich leisten können. Die Chance, dass ein Kind in einer sozial benachteiligten Familie übergewichtig werde, sei deutlich grösser als etwa in einer bevorzugten Londoner Wohngegend.

Zuckerbrot und Peitsche

Gemäss einer Erhebung von 2022 gelten 64 Prozent der Menschen in Grossbritannien als übergewichtig oder adipös, also stark übergewichtig. Zum Vergleich: Laut dem Bundesamt für Statistik sind es in der Schweiz 43 Prozent – allerdings mit zunehmender Tendenz.

Gleichzeitig gibt es Anreize für die Lebensmittelproduzenten: Gesündere Versionen der verbannten Produkte dürfen beworben werden.

Das Vorhaben könnte Erfolg haben. So sorgte bereits die 2018 eingeführte Zuckersteuer dafür, dass ein Drittel weniger Softdrinks verkauft wurden und die Industrie ihre Rezepturen änderte.

Auf in den Gemüsesozialismus?

«Schon damals gab es Stimmen, die von staatlicher Bevormundung sprachen», sagt Wülser. Und auch jetzt würden manche den «staatlich verordneten Gemüsesozialismus» anprangern.

Person leckt an Eis mit britischer Flagge.
Legende: Der frühere Premierminister Boris Johnson kündigte die Werbeverbote bereits für 2021 an. Die Einführung wurde verschoben, um der Nahrungsmittelindustrie mehr Zeit zur Umstellung zu geben. Keystone/EPA/AP/Frank Augstein

Dass bald nur noch Rosenkohl beworben wird, glaubt Wülser aber nicht. Schliesslich stehen nur besonders ungesunde Lebensmittel auf der schwarzen Werbeliste.

Der Gorilla darf bleiben

Währenddessen sorgen sich manche um das popkulturelle Erbe des Königreichs. In den Kommentarspalten und sozialen Medien trauern Britinnen und Briten um «Ads» mit Kultstatus.

Ein kleiner Trost: Die legendäre Werbung des Süsswarenriesen Cadbury ist vom Verbot nicht betroffen, wie britische Medien berichten. Sie zeigt keine Schokolade, sondern nur einen Gorilla:

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SRF 4 News, 8.1.2026, 7:40 Uhr ; 

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