Die Länder, die vorwärts machen wollen mit der Energiewende weg von klimaschädlichen fossilen Energieträgern treffen sich vom 24. bis 29. April 2026 zur ersten Konferenz zum Ausstieg aus den Fossilen. Gastgeber ist Kolumbien, ein Land, das selbst stark von der Produktion und vom Export von Kohle und Öl profitiert. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann beantwortet die wichtigsten Fragen.
Warum gibt es diese Konferenz?
An der UNO-Klimakonferenz in Brasilien im November 2025 scheiterten rund 80 Staaten mit dem Versuch, eine Roadmap zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern zu verabschieden. Staaten wie Russland, Saudi-Arabien, Indien und China hatten Widerstand geleistet. Zusammen mit den Niederlanden kündigte Kolumbien daraufhin an, das Ziel weiterzuverfolgen, vorerst mit denjenigen Staaten, die sich offen zur Energiewende bekennen. Die Konferenz im kolumbianischen Santa Marta soll nun der erste Schritt sein.
Was ist von dem Treffen konkret zu erwarten?
Die Konferenz ist sehr inklusiv gestaltet. Die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft sollen grossen Raum erhalten. In einem sogenannten High-Level-Segment an den letzten beiden Tagen der Konferenz wollen die politischen Vertreter der bisher rund 50 angemeldeten Länder konkrete Möglichkeiten diskutieren, wie der Ausstieg aus den Fossilen beschleunigt werden kann, ohne dass die Länder, die bisher von der Produktion von Kohle, Öl und Gas gelebt haben auf der Strecke bleiben. Ein Schlussdokument, auf das sich alle einigen, wird explizit nicht angestrebt.
Konkurrenziert die Konferenz die Klimaschutzbemühungen der UNO?
Nicht direkt. Die beiden Gastgeber, Kolumbien und die Niederlande, werden zum Schluss einen Bericht zuhanden des UNO-Klimasekretariats verfassen, dessen Inhalt – so die Hoffnung – an der nächsten Klimakonferenz thematisiert wird. Das Ziel: mit guten Beispielen voran gehen und zeigen, dass klimafreundliche Energiewende möglich ist, so dass immer mehr Staaten ins Lager der «Willigen» wechseln.
Warum findet die Konferenz in einem Kohle- und Öl-Land wie Kolumbien statt?
Kolumbiens Regierung will die eigene Wirtschaft aus der Abhängigkeit von Kohle und Öl lösen. Aktuell gehört Kolumbien zu den grössten Kohleproduzenten der Welt. Fossile Energieträger machen mehr als die Hälfte der Exporte des Landes aus. Doch die Erdölreserven im Land neigen sich dem Ende zu. Gleichzeitig geht die Nachfrage nach kolumbianischer Kohle in den bisherigen Absatzmärkten USA und Europa stark zurück. Kolumbien hofft als Vorreiter auf Unterstützung – auch finanzielle – beim Umbau der eigenen Wirtschaft. Ungewiss ist allerdings, ob die Regierung Kolumbiens nach den Präsidentschaftswahlen im Mai/Juni ihren Kurs beibehalten wird.
Welche Rolle spielt die Schweiz?
Die Schweiz schickt eine Delegation unter der Leitung von Umweltbotschafter Felix Wertli nach Santa Marta. Sie hat sich in der Vergangenheit immer wieder für den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern ausgesprochen und hat sich als Mitglied einer Koalition von Ländern zum Abbau von Subventionen für fossile Energieträger verpflichtet. Kritikerinnen und Kritiker werfen der Schweiz vor, sie unternehme zu wenig, um in der Schweiz ansässige Banken und Versicherungen aber auch Rohstoffkonzerne zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas zu bewegen.