Drei Jahrzehnte lang herrschte auf den Malediven ein Autokrat. Seit fünf Jahren leben die Menschen nun in einer Demokratie – die aber alles andere als reibungslos funktioniert. Die erste Runde der Präsidentenwahl wurde vom Verfassungsgericht aufgrund von «Fehlern» für ungültig erklärt, obwohl alle einheimischen und internationalen Beobachter die Abstimmung am 6. September als fair und frei eingeschätzt hatten.
Die USA zeigten sich «tief besorgt», der grosse Nachbar Indien sprach von politischer Ungewissheit, die sich auf Frieden und Stabilität im Tausend-Insel-Reich in Südasien auswirken könnte. Am 19. Oktober werden die 240‘000 Wahlberechtigten nun erneut zur Abstimmung gerufen.
Einer der vier Kandidaten hat sich nun zurückgezogen: Der amtierende Präsident Mohammed Waheed Hassan wird sich nicht mehr daran beteiligen. Ein Präsidentensprecher sagte, Hassan wolle den Urnengang überwachen können, ohne in den Wahlkampf involviert zu sein.
Umweltaktivist Nasheed war Favorit
Hassan ist der Nachfolger des 2012 gestürzten Präsidenten Mohamed Nasheed. Nasheed war Umwelt- und Menschenrechtsaktivist und 2008 bei den ersten demokratischen Wahlen zum Präsidenten gewählt worden. Der 43-jährige Nasheed legte sich aber mit der alten Elite an – und wurde deshalb abgesetzt. Vizepräsident Hassan galt damals als Kompromisskandidat der alten Garde. Sie hatte ihn vorgeschoben für den Coup.
Beim ersten Urnengang am 7. September wäre Nasheed beinahe wieder zurück an die Macht gekommen: Mit 45 Prozent erhielt er am meisten Stimmen. Er verfehlte aber die absolute Mehrheit, so dass eine Stichwahl angesetzt wurde – auf den 28. September.
Nasheeds Gegner bei der Stichwahl wäre Abdulla Yameen gewesen, ein Halbbruder des früheren Autokraten Gayoom. Direkt hinter ihm landete beim ersten Wahlgang der Geschäftsmann Gasim Ibrahim, gefolgt vom derzeitigen Präsidenten Mohamed Waheed Hassan.
Mit dem Rückzug Hassans hat Nasheed am 19. Oktober voraussichtlich noch zwei Gegner an der Urne. Offen bleibt, ob es der alten Elite gelingt, den Sieg Nasheeds zu verhindern.
Malediven: Ein Paradies voller Widersprüche
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Bild 1 von 14. Inselparadies: Die Republik Malediven besteht aus beinahe 1200 Inseln. Auf 110 stehen Luxus-Resorts. Auf 220 weiteren Inseln wohnen die Einheimischen. Die Malediven liegen im indischen Ozean auf beinahe 900 Kilometern Länge und 26 Atollen verstreut. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 2 von 14. Das Kurumba-Resort ist das älteste auf den Malediven. Anfang der 1970er-Jahre begann hier der Tourismus. Es liegt zehn Bootsminuten von der Flughafen-Insel und ebenso weit von der Hauptinsel Male entfernt. Eine Übernachtung kostet ab 350 Dollar aufwärts. Die Hotelgäste kommen aus der ganzen Welt: Aus Saudiarabien, Australien, Europa oder Amerika. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 3 von 14. Viele Gäste verbringen ihre Flitterwochen auf den Inseln – wie dieses ukrainische Paar. Die Insel ist ein Mikrokosmos. Sie wird mit einem Dieselgenerator betrieben. Das Süsswasser für die Pools und den Hausgebrauch wird in einer eigenen Entsalzungsanlage hergestellt. Und natürlich entsteht in einem Resort auch jede Menge Abfall... Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 4 von 14. Der Abfall landet auf der Insel Tilafushi. Einst war sie gefüllt mit klarem Wasser. In den 1990er-Jahren beschloss die Regierung, den gesamten Müll des Inselstaats hier abzuladen. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 5 von 14. Rund 300 bis 400 Tonnen Abfall werden täglich nach Tilafushi transportiert. Ein lokaler Einwohner produziert pro Kopf ungefähr 3.5 kg täglich. Ein Tourist beinahe das Doppelte. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 6 von 14. Beissender Rauch auf der ganzen Insel. Es wird alles verbrannt, egal ob es giftig ist oder nicht. Die Arbeiter leiden an Hautkrankheiten und Lungenproblemen. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 7 von 14. Es sind meist Hilfsarbeiter aus Bangladesch. Sie werden auf die Malediven gelockt mit dem Versprechen auf gute Arbeit. Hier verdienen sie aber 100 Dollar im Monat oder weniger. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 8 von 14. Die Coca Cola Fabrik auf der Insel Thulusdhoo bietet etwas über 100 Arbeitsplätze. Aber auch hier werden laut der Südasienkorrespondentin Karin Wenger meist Bangladeschi beschäftigt. Für 100 Dollar im Monat. Sie stellen aus Meerwasser Mineralwasser her. Umweltaktivisten beschweren sich: Die Plasticflaschen verschmutzen weite Teile des Inselreichs. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 9 von 14. Die Hauptinsel Male. Hier lebt ungefähr die Hälfte aller Malediver, ca. 150'000 Personen auf dichtem Raum. Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit und Langeweile gehören zu den grössten Problemen der Jugendlichen. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 10 von 14. Zurzeit regiert Präsident Mohamed Waheed. Der Inselstaat wurde jedoch 30 Jahre lang vom Autokraten Maumoon Abdul Gayoom regiert. Er übernahm die Führung der Republik, als Nasheed im Februar 2012 nach einer Meuterei in der Polizei und gewaltsamen Zusammenstössen zurücktreten musste. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 11 von 14. Abdullah Yameen erlangte am 7. September den zweiten Platz mit 25 Prozent. Er ist der Halbbruder des ehemaligen Diktators Gayoom und würde höchstwahrscheinlich die Politik der alten Elite weiterführen. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 12 von 14. Anhänger von Präsidentschaftskandidat Mohamed Nasheed an einer seiner Wahlveranstaltungen auf der Hauptinsel Male. Sie hoffen, dass er die Inseln weiter öffnet, Arbeitsplätze schafft und mehr Unterhaltungsmöglichkeiten. «Einzige Beschäftigung ist Mofa fahren und Kaffeetrinken», sagt Wenger. Viele Jugendliche wollten einfach weg. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.
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Bild 13 von 14. Mohamed Nasheed. Während seiner ersten Amtszeit als Staatspräsident von 2008 bis 2012 hat er einiges getan: Gratis Gesundheitsversorgung, mehr Fähren. Und er brach ein Tabu im islamischen Inselstaat. Die Bewohner sollten Spass haben und sich nicht von der Polizei fürchten. Bildquelle: Reuters.
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Bild 14 von 14. Nasheed hat während seiner Zeit als Präsident auch die lokalen Inseln für den Tourismus geöffnet. In Thulusdhoo haben so viele Bewohner ein eigenes Gästehaus eröffnet. Eine Übernachtung kostet 50-100 Dollar. Vor allem Surfer aus aller Welt kommen auf die Insel, die für ihre Surfspots bekannt ist. Bildquelle: SRF/Karin Wenger.