Forum Schlossplatz ehrt «Hans Dampf in allen Gassen»

Das Forum Schlossplatz widmet seine aktuelle Ausstellung dem Aarauer Verleger, Schriftsteller und Politiker Heinrich Zschokke. Dieser prägte die Entwicklung der modernen Schweiz im 19. Jahrhundert wie kaum ein anderer. Trotzdem hat er heute kaum noch Bekanntheit. Die Ausstellung soll das ändern.

Plakat zur Ausstellung vor dem Eingang in den Schlossgarten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Forum Schlossplatz lädt in seinem historischen Gebäude zu einer historischen Begegnung mit Heinrich Zschokke. SRF

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Biografie Heinrich Zschokke

Zeichnung Porträt Heinrich Zschokke 1842

Heinrich Zschokke in einer «Selbstschau» (Autobiografie von 1842) wikimedia

Heinrich Zschokke wird 1771 in Magdeburg (D) geboren. Er ist zuerst Schriftsteller und studiert Philosophie und Theologie. 1796 zieht er ins Bündnerland und wird pädagogisch tätig. 1798 kommt er in den Aargau, hier wird er Beamter der neuen Helvetischen Regierung, Politiker und Verleger. 1805 heiratet er Nanny Nüsperli. Er stirbt 1848 in Aarau.

Heinrich Zschokke hat den Begriff «Hans Dampf in allen Gassen» erfunden und geprägt. Gleichzeitig dürfte er ein typisches Beispiel für einen solchen «Hans Dampf» sein: Zschokke war studierter Philosoph und Theologe, er war Pädagoge, Schriftsteller in verschiedenen Genres, Liedermacher, Beamter, Politiker. Vor allem aber war Zschokke ein Vordenker der liberalen Bewegung.

Heinrich Zschokke kam ursprünglich aus Deutschland. 1798 zog es ihn in den Kanton Aargau. Hier prägte er fortan die Entwicklung der jungen Helvetischen Republik mit seinen Ideen. Als Verleger, Redaktor und Schriftsteller habe Zschokke «für das einfache Volk geschrieben», erklärt Ausstellungsmacher und Historiker Dominik Sauerländer.

Zschokke prägte die moderne Demokratie

«Vor allem aber verbreitete Zschokke in seinen Schriften moderne Ansichten: Er setzte sich für eine echte Demokratie ein, in der das breite Volk mitbestimmen konnte. Damit das Volk auch mündig sein konnte, forderte er einen Ausbau der Bildung.» Mit diesen Ideen war Zschokke seiner Zeit voraus.

Die Ausstellung im Forum Schlossplatz will Zschokke und sein Vermächtnis wieder in Erinnerung rufen. «Er ist im Geschichtsunterricht viel zu wenig ein Thema, obwohl er das sein müsste», bedauert Historiker Sauerländer. Zschokke zeige nämlich auch die grosse Bedeutung des Kantons Aargau bei der Gründung der modernen Schweiz. «Der Aargau war eine treibende Kraft hinter der Einigung der verschiedenen zersplitterten Kantone zu einem modernen, föderalistischen Bundesstaat.»

Dialog mit Zschokke auch zu aktuellen Themen

Im Forum Schlossplatz werden Original-Dokumente von Heinrich Zschokke, Schriften aus dem 19. Jahrhundert gezeigt und erklärt. Dazu sind Bilder zu sehen und auf Schautafeln die entsprechenden biografischen Angaben zu lesen. Auch das Privatleben von Heinrich Zschokke in der Villa Blumenstein zwischen Aargau und Küttigen wird thematisiert. Heute residiert in diesem Haus übrigens das Zentrum für Demokratie.

« Wir wollen den Menschen Zschokke zeigen, keinen Übermenschen. »

«Wir wollen den Menschen Zschokke zeigen, nicht den Übermenschen», erklärt Ausstellungsmacher Dominik Sauerländer.

Zschokke habe auch Widersprüche gehabt: Als Politiker vertrat er moderne Ideen, als Familienvater aber war er zum Beispiel ein Patriarch alter Schule. «Wie es erfolgreiche Männer damals halt waren», fügt Sauerländer an.

Den Dialog mit Zschokke soll das Publikum aber auch deshalb führen, weil viele seiner politischen Ideen noch heute aktuell seien. Dazu zeigt das Museum Interviews mit Persönlichkeiten unserer Zeit: FDP-Ständerätin Christine Egerszegi nimmt zum Beispiel Stellung zu Zschokkes Ideen.

Zschokke würde das Ständemehr verteidigen

Viele politische Fragen des 19. Jahrhunderts hätten an Aktualität kaum verloren, sagt Historiker Sauerländer dazu. «Die Abstimmung über den Familienartikel hat zum Beispiel die Diskussion über das Ständemehr wieder aufgewärmt.» Das Ständemehr kommt einem Veto der Landkantone gleich, sie können trotz ihrer bevölkerungsmässigen Minderheit Vorlagen kippen.

«Zschokke hatte sich immer für das Mitspracherecht der Landbevölkerung eingesetzt», sagt Sauerländer. Er würde sich deshalb heute wohl gegen die Abschaffungsgelüste wehren.