Pädagogik-Experten treffen sich in Brugg

Lehrerinnen und Lehrer diskutieren in diesen Tagen die Praxisorientierung ihres Berufes, respektive der Lehrerbildung. Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat einen internationalen Kongress organisiert in Brugg-Windisch. Der erste seiner Art, heisst es in einer Mitteilung.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW organisiert den ersten internationalen Kongress zum Thema «Lernen in der Praxis». Angemeldet haben sich 350 Lehrerinnen und Lehrer, pädagogische Fachleute und Interessierte. Der Kongress startet am Montag und dauert bis am Mittwoch.

Mann in weissem Hemd schreibt mit Kreide auf eine Wandtafel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie können Lehrer ihr theoretisches Wissen in die Praxis transferieren? Diese Frage beschäftigt die Pädagogen in Brugg. Keystone (Symbolbild)

Es sei der erste wissenschaftliche Kongress im deutschsprachigen Raum, welcher der Praxisorientierung des Lehrerberufs gewidmet ist, schreibt die FHNW in einer Mitteilung. Leiter des Kongresses ist Professor Urban Fraefel von der Pädagogischen Hochschule der FHNW.

SRF Regionaljournal: Urban Fraefel, beim Kongress geht es um Praxis in der Lehrerausbildung. Heisst das: Heute ist diese zu theoretisch?

Das kann man so nicht sagen. Jeder Beruf braucht Theorie. Die Anforderungen der Schule sind in den letzten Jahren derart angestiegen, dass die jungen Lehrerinnen und Lehrer wirklich auch theoretisches Rüstzeug brauchen. Das Problem ist: Wie bringt man das theoretische Wissen in die Praxis? Um diese Frage drehen sich viele Diskussionen.

Also ist der Kongress nötig, weil sich die Schule geändert hat?

Ganz genau. Heute haben wir viel höhere Anforderungen an die Kinder. Sie müssen geistig flexibler sein, müssen zum Beispiel mehr Sprachen können. Das sind neue Herausforderungen für die Lehrpersonen. Da braucht es Fachleute, die sich in der ganzen Komplexität zurechtfinden.

In der Medienmitteilung schreibt die FHNW, dass dies der erste internationale Kongress zum Thema Praxisorientierung im Lehrerberuf sei. Das ist also nicht nur ein Schweizer Thema?

Keineswegs, es beschäftigen sich weltweit Fachleute mit diesem Thema. Von Neuseeland über die USA bis in alle europäischen Länder. Das ist wirklich ein ganz wichtiges Thema. Und es ist auch eine ökonomische Frage. Die Lehrerausbildung ist aufwändig, wir möchten sicherstellen, dass sie ihre Wirkung zeigt. Deshalb befassen wir uns intensiv mit dem Thema Praxisorientierung.

350 Leute haben sich angemeldet für den Kongress. Weshalb findet der Kongress ausgerechnet in Brugg-Windisch statt?

Die FHNW hat den Kongress initiiert, respektive die Pädagogische Hochschule der FHNW.

Möchte die FHNW in diesem Fall eine Vorreiterrolle übernehmen?

In einem gewissen Sinn ist dies tatsächlich der Fall. Die Pädagogische Hochschule FHNW hat in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die Praxisausbildung zu reformieren. In unserem Partnerschulkonzept schmieden wir Allianzen, zum Beispiel mit Schulleitungen. Wir haben auch spezielle Professuren, die sich ausschliesslich mit der Frage befassen, wie Studierende in der Praxis zu wirklich professionellen Lehrpersonen werden können. Das ist etwas Einzigartiges. In- und ausländische Hochschulen beneiden uns auch ein bisschen dafür.

Das Gespräch führte Wilma Hahn.