Firma gegründet, damit keine Spur zur Wirtschaftskammer führt

Über Jahre soll eine Tochterfirma der Baselbieter Wirtschaftskammer Meinungsumfragen systematisch beeinflusst haben. So der Vorwurf von ehemaligen Informatikern der Wirtschaftskammer. Der ehemaligen Direktor der Wirtschaftskammer, Hans Rudolf Gysin, nimmt jetzt Stellung dazu.

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Bildlegende: Hans Rudolf Gysin nimmt Stellung zum Vorwurf, Meinungsumfragen beeinflusst zu haben. SRF/Sedrik Eichkorn

An der Grammetstrasse in Liestal gibt es von der Firma «SIE, Swiss Indexing Engine» zwar ein Türschild, die angeschriebene Geschäftsstelle sucht man jedoch vergebens. Über diese Firma sollen Rechnungen abgewickelt worden sein, die entstanden sind, weil die Tochterfirma der Baselbieter Wirtschaftskammer, die IWF AG, über Jahre systematisch Meinungsumfragen im Internet massiv beeinflusst habe.

«  Ich schaffte 40 Antworten in einer Stunde. »

Hans Rudolf Gysin
Ehemaliger Direktor Wirtschaftskammer Baselland

Diesen Vorwurf äussern ehemalige Informatiker der Wirtschaftskammer, deren Namen dem Regionaljournal bekannt sind. Hans Rudolf Gysin, damaliger Direktor der Wirtschaftskammer, bestätigt jetzt, dass er diese Firma tatsächlich gegründet habe, um ohne einen Zusammenhang zur Wirtschaftskammer im Internet surfen zu können.

Gysin streitet jedoch ab, dass man bei der SIE Meinungsumfragen mit einem Computerprogramm systematisch manipuliert habe. Dank dieser Firma habe man zwar über verschiedene Internetprovider mit wechselnden IP-Adressen surfen können - also mit wechselnden Absender des jeweiligen Computers. Damit wäre es auch möglich, mehrmals an Umfragen teilzunehmen. Hans Rudolf Gysin sagt aber, ihm sei nicht bekannt, dass man dies gemacht habe. Es sei lediglich darum gegangen, Adressen aus elektronischen Telefonbüchern wie «local.ch» oder «search.ch» aus dem Internet herunterzuladen: «Es ist nicht verboten, das Telefonbuch abzuschreiben», sagt Gysin dazu.

Zudem sei es leicht, solche Meinungs-Umfragen auf Portalen wie «bazonline.ch» mit wenigen technischen Kniffs zu umgehen, sagt Gysin. «Das habe ich selbst auch schon probiert. Ich schaffte 40 Antworten in einer Stunde». Und für solche Aufgaben könne man auch Kollegen beauftragen, fügt Gysin an.

Dass der aktuelle Direktor der Wirtschaftskammer, Christoph Buser, etwas davon wusste, glaubt Gysin nicht - auch wenn Buser eine gewisse Zeit Chef der Informatikabteilung war. Somit kommt eine neue Version ins Spiel: Letzte Woche hatte Christoph Buser noch gesagt, man habe ein Programm eingesetzt, um Massenmails zu verschicken und Mitglieder aufzufordern, an Internet-Umfragen teilzunehmen. Als die Zeitung «Schweiz am Sonntag» Mitte August den Vorwurf, die Wirtschaftskammer habe Meinungsumfragen massiv beeinflusst, zum ersten Mal publik gemacht hatte, hatte Christoph Buser diesen Vorwurf noch in aller Form zurückgewiesen.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)