Freiburger Institut Guglera wird Asylzentrum des Bundes

Der Bund kauft das Institut Guglera in der Gemeinde Giffers. In Absprache mit dem Kanton Freiburg will er hier ab 2017 bis zu 300 Asylsuchende unterbringen. Die Freiburger Regierung findet den Standort ideal.

Der Kanton Freiburg hat dem Bund den Standort Giffers für ein Asylzentrum vorgeschlagen. Nun wird das Staatssekretariat für Migration (SEM) das Gebäude des Instituts Guglera kaufen. Das haben das SEM, Kanton Freiburg und der Oberamtmann des Sensebezirks mitgeteilt. Ab 2017 will der Bund im Institutsgebäude ein Zentrum für maximal 300 Asylbewerber betreiben.

Das Institut Guglera war lange Zeit ein Mädcheninternat. Seit ein paar Jahren ist es ein Seminarzentrum, das unter anderem Integrations- und Förderprogramme für Jugendliche und junge Erwachsene anbietet. Es hat sich auf die Betreuung von übergewichtigen Jugendlichen spezialisiert.

Die Freiburger Sozial- und Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre sagte gegenüber Radio SRF, die Lage des Zentrums sei ideal: Es sei nicht abgelegen, aber auch nicht allzu nahe beim Dorf. Zudem gebe es eine Bushaltestelle. «Es ist wichtig für uns, dass die Leute in die Stadt fahren können.»

Allfällige Bedenken der Bevölkerung kann Staatsrätin Anne-Claude Demierre verstehen. Es sei ihr wichtig, an der geplanten Informationsverstaltung zu erklären, wie es zum Entscheid kam. Und sie sagt: «20 Personen werden für die Sicherheit zuständig sein.» Dazu werde es 20 Arbeitsplätze für die Begleitung der Asylsuchenden geben. Die Bevölkerung wird an einer Veranstaltung am 25. Februar näher über die Pläne informiert.

Kompensation durch Bund

Staatsrätin Anne-Claude Demierre sagte weiter, dass vom Bund wegen des neuen Zentrums Kompensationsmassnahmen vorgesehen seien. Im Gegenzug müsse der Kanton Freiburg entsprechend weniger Plätze in anderen Durchgangszentren eröffnen. Demierre rechnet mit 60 bis 100 Plätzen weniger. Zudem sei vom Bund mit einem jährlichen Beitrag von 330'000 Franken zu rechnen, welcher der Kantonspolizei zukommen solle.

Der Bund will insgesamt an sechs Standorten in der Schweiz Asylzentren einrichten. Bund, Kantone und Gemeinden hatten sich vor knapp einem Jahr auf die sechs Asylregionen geeinigt: Westschweiz, Nordwestschweiz, Bern, Zürich, Ostschweiz sowie Zentral- und Südschweiz.

In jeder Region soll es ein Verfahrenszentrum und ein bis drei Ausreisezentren geben. Die Verteilung der Plätze erfolgt entsprechend der Bevölkerungsgrösse der Regionen. In der Region Westschweiz sollen 1280 Plätze in einem Verfahrenszentrum und bis zu drei Ausreisezentren zur Verfügung stehen.
Heute verfügt der Bund über rund 1400 Plätze in Empfangs- und Verfahrenszentren sowie rund 600 Plätze in temporären Unterkünften an verschiedenen Standorten. Letztere sind jedoch befristet. Nach der Neustrukturierung besteht ein Bedarf von 5000 Plätzen in Zentren des Bundes.

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Schnellere Verfahren

Die neuen Bundeszentren sind ein zentrales Element der nächsten grossen Asylrechtsreform. In diesen sollen die Asylverfahren schneller als bisher abgewickelt werden, in maximal 140 Tagen inklusive Beschwerden. Voraussetzung dafür ist die Konzentration aller Akteure an einem Ort.

Die Asylsuchenden sollen für die gesamte Dauer des Verfahrens in regionalen Zentren des Bundes untergebracht werden und dort gemäss den Plänen des Bundesrats auch kostenlosen Rechtsbeistand erhalten. Asylsuchende mit negativem Entscheid müssten sofort ausreisen.

Die beschleunigten Verfahren werden seit Anfang 2014 in einem Pilotbetrieb in Zürich getestet. Eine erste Zwischenbilanz fiel positiv aus.

Asylbewerber statt übergewichtige Jugendliche

Das Institut St. Josef Guglera in Giffers wurde lange von Ingebohler Schwestern als Mädcheninternat geführt. Seit acht Jahren war es in privater Hand und auf die Betreuung und Integration von adipösen Jugendlichen spezialisiert. Diese lernten dort abnehmen. Doch in letzter Zeit kamen immer weniger Jugendliche in den Kanton Freiburg.

Laut dem Institutsleiter Beat Fasnacht lag das daran, dass immer mehr Kantone in diesem Bereich sparen würden. Er hatte darum im November 2014 angekündigt, fünf Vollzeitstellen abzubauen. Und: Wenn auch in Zukunft immer weniger Jugendliche nach Giffers kämen, müsste er diesen Bereich des Instituts schliessen, sagte er damals.

Der Verkauf an den Bund komme ihm aus finanziellen Gründen gelegen, sagt Beat Fasnacht jetzt: «Wir suchten Lösungen, weil die Arbeit mit den übergewichtigen Jugendlichen für uns eine grosse finanzielle Herausforderung war.» Er will sein Projekt in kleinerem Rahmen weiterführen.

Die Gemeinde Giffers liegt im oberen Sensebezirk und zählt rund 1500 Einwohner.

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