Jugendliche Asylsuchende fassen Fuss

In Huttwil gibt es seit einigen Monaten ein Ankunftszentrum für unbegleitete jugendliche Asylsuchende. Es ist schweizweit die erste solche Einrichtung. Die Betreiber wollen den Jugendlichen den Einstieg hier vereinfachen. Vieles läuft deshalb anders als in einer herkömmlichen Unterkunft.

Am Morgen Sportunterricht, am Nachmittag Deutsch und Mathematik – der Tagesablauf der rund fünfzig Jugendlichen im Ankunftszentrum Huttwil gleicht einem Schultag. «Der geregelte Alltag ist wichtig für die Jugendlichen», sagt Barbara Mathys. Sie leitet die Betreuung im Ankunftszentrum in Schwarzenbach bei Huttwil. «Die Jugendlichen erhalten hier ein Dach über dem Kopf – nach der Flucht und nach ersten Wochen in einem Bundes-Asylzentrum», so Mathys.

Jeder Jugendliche, der dem Kanton Bern zugewiesen wird, kommt als erstes in das Ankunftszentrum bei Huttwil. Das mache Sinn, sagt Katrin Pfrunder von der Betreiberorganisation Zentrum Bäregg GmbH: «Wir können die Bedürfnisse der Jugendlichen hier individuell abklären.» Zum Beispiel wird beurteilt, ob jemand später in ein Wohnheim, in eine Pflegefamilie oder in eine spezielle Einrichtung kommt, etwa bei einem Trauma.

«  Wir erklären ihnen das Schweizer Asylsystem, wir gehen mit ihnen aber auch Billetts fürs Postauto kaufen. »

Katrin Pfrunder
Co-Geschäftsleiterin Zentrum Bäregg GmbH

Rund fünfzig Jugendliche wohnen im Moment auf dem «Campus Perspektiven», dem Areal des Sport- und Kulturzentrums bei Huttwil. Die meisten sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Mädchen hat es nur zwei. Viele Jugendliche kommen aus Afghanistan, andere aus Syrien, Somalia oder Guinea. Nebst dem speziellen Schulunterricht lernen die Jugendlichen ganz lebensnahe Dinge. «Wir erklären ihnen das Schweizer Asylsystem, wir gehen mit ihnen aber auch Billetts fürs Postauto kaufen», sagt Katrin Pfrunder. So will man den Jugendlichen den Start hier vereinfachen.

Kontakt zur Bevölkerung

Dazu gehört auch, dass die Jugendlichen in Kontakt mit der Bevölkerung kommen. Das ist der Fall, wenn lokale Sportclubs auf dem Gelände des Zentrums trainieren. «Die Jugendlichen sind sehr interessiert. Sie gehen auch ins Training der Schwinger hier auf dem Areal», so Pfrunder. Auch so wird ihnen die Schweiz näher gebracht.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis; 17:30 Uhr)