Peter Beutler: «Schreiben ist die Fortsetzung der Politik»

Der Berner Oberländer Autor Peter Beutler entwickelt eine bemerkenswerte schriftstellerische Aktivität. Sechs Bücher in vier Jahren, alle über umstrittene Justizfälle oder nicht aufgeklärte Kriminalfälle. Seine beklemmende Detailgenauigkeit trifft sich dabei mit seiner linken politischen Biografie.

Peter Beutler aus Beatenberg ist 74-jährig, promovierter Chemiker, war jahrzehntelang Gymnasiallehrer in Luzern und lange SP-Grossrat im luzernischen Kantonsparlament. Seine Herkunft als Arbeiter- und Kleinbauern-Bub aus Zwieselberg, sein politischer Kampf als überzeugter Linker und seine Gabe, bemerkenswerte Justiz- und Kriminalfälle aufzuarbeiten, vermischen sich zu einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte.

«  Es stimmt, was ich schreibe. »

Peter Beutler

Er ergründete mit dem Erstling «Weissenau» im Jahr 2012 den Mord im rechtsradikalen Millieu in Interlaken, er beschreibt im neusten Buch «Münstersturz» das Schicksal des als Landesverräter verurteilten Brigadiers Jeanmaire und zeichnet das Bild eines unglaublichen Justizskandals.

«Es stimmt, was ich schreibe. Ich habe im Nachhinein gemerkt, dass ich gewisse Vorfälle und Abläufe noch viel drastischer hätte beschreiben müssen», sagt Peter Beutler als Sonntagsgast im Regionaljournal Bern Freiburg Wallis. «Faktentreue ist zwar anstrengend. Aber es muss sein, sonst muss ich nicht schreiben.»

Der Schriftsteller vollendet, was der Politiker nicht vollenden konnte

Die Detailgenauigkeit in den Büchern von Peter Beutler ist frappierend und beklemmend zugleich. Gleichzeitig macht der Autor auch kein Geheimnis aus seiner Überzeugung als pointierter Linker. Er kratzt am Lack von Grosskapital und Bürgertum, von Militär, Justiz und Polizei und er geisselt schonungslos Willkür, Klüngelei und Rechtsradikalismus.

«  Mag sein, dass ich da Feindbilder habe. »

Peter Beutler

«Mag sein, dass ich da Feindbilder habe», räumt Peter Beutler ein. Aber Schriftstellerei ist für ihn vor allem die Fortsetzung des politischen Kampfes, den er als Luzerner Grossrat geführt hatte. «Und dann merkt man plötzlich, dass man mit Büchern eine Wirkung erzielt, die einem als Politiker verwehrt geblieben ist.»