Weniger Geld für Solarstrom Solarstrom-Rechnung geht für Berner Bauern nicht mehr auf

Der Berner Stromkonzern BKW zahlt seit Jahresbeginn noch vier Rappen für eine Kilowattstunde Strom vom Solardach. Das trifft unter anderem viele Bauern, die in den letzten Jahren riesige Dachflächen mit Fotovoltaik-Elementen ausgerüstet haben. So lohnt sich erneuerbare Energie nicht mehr.

Freilaufstall mit Fotovoltaik-Platten auf dem Dach. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Freilaufstall mit Fotovoltaik-Platten: Mit 4 Rappen pro Kilowattstunde ist damit kein Geschäft mehr zu machen. Keystone

Auf Anfangs 2017 senkte die BKW die Vergütung für Strom aus privaten Anlagen von 9,72 auf 4 Rappen pro Kilowattstunde. Die BKW zieht damit die Konsequenzen aus ihrer Beurteilung des Marktes. Und die heisst: Die BKW braucht den Solarstrom von Industrie- oder Bauernhausdächern gar nicht. Sie hat genug aus den eigenen Anlagen.

Zur falschen Zeit

Diese Art Energie komme zur falschen Zeit, sei nicht zu verkaufen und belaste das Leitungsnetz. Die BKW darf ihre Einspeisevergütung auf ein marktfähiges Minimum reduzieren. «Wir haben das Recht, den Storm von privaten Anbietern zu dem Preis zu übernehmen, den wir für Stromeinkäufe im Markt bezahlen. Das sind zwischen drei und vier Rappen pro Kilowattstunde», erläutert BKW-Informationschef Tobias Fässler. Da geht's um Graustrom, also Energie aus nicht erneuerbaren Quellen wie AKW oder thermische Kraftwerke in Europa. Tobias Fässler fügt an: «Bei zertifizierten Anlagen bezahlen wir übrigens noch 4,5 Rappen für den Herkunftsnachweis.»

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Die Tarife in der Region

Nur Energiepreise für kleine Anlagen. Quelle: Verband Vese

  • BKW: 4 Rappen
  • EW Bern: 10,09 Rappen
  • Energieservice Biel: 6,03 Rappen
  • Energie Thun: 6,8 - 9,3 Rappen
  • Groupe E (Freiburg): 8,5 Rappen
  • Energie Sion: 6,3 Rappen

Die BKW, mit ihrer Vergütung bisher etwa im Mittelfeld der wichtigsten Schweizer Stromfirmen, gehört bei der Energie aber nun zu den knausrigen Unternehmen. Dass die Vergütungen zurückgehen, ist allerdings seit Jahren absehbar.

Für viele Berner Bauern allerdings ist die Reduktion um mehr als die Hälfte ein harter Schlag. Viele von ihnen haben in den letzten 20 Jahren grosse Flächen Fotovoltaik-Elemente auf ihre Stall- und Scheunendächer gebaut, in der Hoffnung, an der Energiewende teilzuhaben, eine gewisse Energie-Autonomie auf dem Betrieb zu gewinnen und damit auch etwas Geld zu verdienen.

Mit vier Rappen pro Kilowattstunde Strom ist das allerdings illusorisch. «Ich bekomme von der BKW für ökologisch produzierten, grünen Strom vier Rappen. Und bezahle der BKW für Grau-Energie elf Rappen. Das ist doch eine Frechheit», schimpft Bauer Beat Zbinden aus Rüschegg. Auf der wirtschaftlichen Seite bedeute es, dass die Amortisation der Anlage in seinem Fall fünf bis sechs Jahre länger dauere.

Der Berner Bauernverband macht politisch Druck

Beim Berner Bauern Verband ist der Groll der Basis angekommen. «Wir haben sehr viele Reaktionen, nicht nur aus dem Bauernstand», bestätigt Präsident Hans Jörg Rüegsegger. «Für viele Landwirte geht die Rechnung überhaupt nicht mehr auf. Sie haben Ersparnisse oder die Pensionskasse in die Anlagen gesteckt, in der Hoffnung, im Alter damit noch einen Zustupf zu verdienen».

Im bernischen Kantonsparlament, dem Rüegsegger angehört, sind bereits drei Vorstösse hängig, die diese Reduktion der Vergütungen rückgängig machen wollen. Der Kanton Bern als Hauptaktionär der BKW soll dies durchsetzen.

Allerdings ist auch in diesem Fall nicht damit zu rechnen, dass die Berner Regierung interveniert. «Energiepolitisch bin ich mit dem Entscheid der BKW nicht glücklich, denn er widerspricht allen Strategien», sagt Energiedirektorin Barbara Egger. «Aber es hat eine Kehrseite. Die Reduktion ist ein unternehmerischer Entscheid. Und da hat ein Aktionär nicht dreinzureden.»