«Möge die Macht mit dir sein!»

Diesen Teufel muss man nicht fürchten. Er schiesst nur auf Vögel oder kümmert sich um seine Band. Dass die Welt kaputt geht, dafür sorgen die Menschen schon selber – und ein böser König, der an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. «Der Teufel mit den drei goldenen Haaren» am Zürcher Schauspielhaus.

Der Teufel im Gegenlicht gespielt von Christian Baumbach. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nicht immer ist böse, was böse sein soll. Der Teufel gespielt von Christian Baumbach. ZVG (Schauspielhaus Zürich)

Der Hofstaat trägt Perücke und tanzt Menuett, während der König Speisen auffahren lässt und verkündet, dass er seine Tochter unter die Haube bringen will. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass die Prinzessin sich nicht vermählen lassen will. Sie gehört einer emanzipierten Generation an und lässt das royale Casting angehender Gatten tapfer über sich ergehen.

Da steht plötzlich ein ganz normaler Junge vor ihr, und es funkt zwischen den beiden. Die jungen Leute sind füreinander bestimmt und sollen als gütiges Königspaar dereinst das Land regieren. Der Ärger am Hof ist damit vorprogrammiert, der König zieht sämtliche Register, um das zu verhindern.

Mit Witz und Tempo inszeniert

Regisseurin Meret Matter hat schon 2013 mit der «Odyssee für Kinder» ihr sicheres Gespür in der Umsetzung von klassischem Stoff für ein junges Publikum unter Beweis gestellt. Auch diesmal ist die Kinderband Schtärneföifi mit von der Partie und begeistert mit frechen Songs und überraschenden Auftritten. Ob im rauchenden Höllenschlund, im edlen Königspalast oder im finsteren Wald, die Story wird flott vorangetrieben.

Moderne Figuren im Märchenklassiker

So entpuppt sich das Märchen an der Pfauenbühne in der Bearbeitung von Autorin Stefanie Grob als aktuelle Liebes- und Abenteuergeschichte und ist nicht zuletzt ein witziges Road-Movie in die Hölle. Das angehende Königspaar ist mit dem Velo dahin unterwegs! Es sind durch und durch verantwortungsbewusste Figuren also, die mehr im Sinn haben als Reichtum und Macht.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)