Zürichs Mühe mit seinen Start-ups

Zürich galt lange als Start-up-Paradies - dank seiner Hochschulen. Doch seit kurzem regt sich Kritik: Der Kanton vergraule die Jungunternehmer mit seiner Steuerpolitik. Finanzdirektor Ernst Stocker möchte nun Gegensteuer geben. Doch viel Konkretes hat er nicht anzubieten.

 Eine grosse, viereckige Battere Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Capture plant - eine Art Batteriepflanze ist eines der Produkte des Start-ups Climeworks. www.climeworks.com

«Wir können unsere Steuerrechnung nicht mehr bezahlen. Die Vermögenssteuer beläuft sich auf über die Hälfte unseres Bruttolohnes», klagt Jan Wurzbacher, Mitbegründer von Climeworks. Das Start-up entwickelt Produkte, um erneuerbare Energien zu speichern. Und ist ein gutes Beispiel für die Probleme der Jungunternehmen im Kanton Zürich.

Bis vor vier Jahren bezahlten die Start-ups Steuern auf ihren Gewinn. Dann änderte der Kanton seine Praxis. Neu zählt das Geld, das die Firmengründer als Investitionen erhalten, als Vermögen der Firmengründer – obwohl dieses Geld meist in Forschung und Entwicklung fliesst. Mit dem Resultat, dass die Firmengründer trotz kleinem Gehalt hohe Steuerrechnungen bezahlen müssen.

Eine Lösung für die ganze Schweiz

Zwar gewährt der Kanton den Start-ups drei Jahre Zeit. So lange sind sie von den Vermögenssteuern befreit. Doch diese Zeit reiche nicht, damit die Firmen flügge werden, kritisieren die Start-up-Lobbyisten. Die einzige Möglichkeit sei ein Wegzug.

Dies will Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) unbedingt verhindern. «Die Start-ups sind uns wichtig», betont er. Deshalb hat der Kanton eine Anlaufstelle gegründet. Und Ernst Stocker will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, eine einheitliche Lösung zu finden. Die neue Praxis aufheben und zurück zum Modell vor 2012 will Ernst Stocker jedoch nicht. Zuerst will er die Situation noch etwas länger beobachten.