Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

200. Todestag Johann Peter Hebel: Mehr als nur «z Basel am mym Rhy»

Es gehört zu Basel wie der Rhein und das Münster und wird regelmässig bei Spielen des FC Basel angestimmt: Das Lied «Z Basel am mym Rhy». Hinter dem sogenannten Baslerlied steht der Dichter und Theologe Johann Peter Hebel.

Wer war Johann Peter Hebel? Hebel wurde 1760 in Basel geboren und wuchs in Basel und im Wiesental im heutigen Süddeutschland auf. Er war evangelischer Theologe, Lehrer und einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit. Literarisch bekannt wurde er durch die «Alemannischen Gedichte», mit denen er der Mundart literarischen Rang verschaffte, sowie durch seine Kalendergeschichten – kurze, oft pointierte Erzählungen über Alltag, Moral und menschliche Schwächen. Hebel starb 1826 auf einer Reise in Schwetzingen (D).

Bild von Hebel
Legende: Der Dichter Johann Peter Hebel lebte in Basel und im Wiesental. Vor 200 Jahren starb er in Süddeutschland. zvg

Wie entstand das berühmte Lied «Z Basel am mym Rhy»? Das sogenannte Baslerlied geht auf Hebels Gedicht «Erinnerung an Basel» zurück, das er um 1806 schrieb. Darin blickt er sehnsuchtsvoll auf seine Kindheit in Basel zurück und beschreibt Orte wie die Pfalz, die Rheinbrücke oder den Petersplatz. Ursprünglich war der Text nicht als Lied gedacht. Erst Jahrzehnte später wurde der Text vertont und entwickelte sich zur inoffiziellen Hymne der Stadt, die bis heute unter anderem an Fußballspielen im St.-Jakob-Stadion gesungen wird.

Z Basel am mym Rhy – der Text

Box aufklappen Box zuklappen

Das Gedicht «Erinnerung an Basel» wurde von Johann Peter Hebel in alemannischer Mundart verfasst.

Text aus der Erstausgabe «Hebels sämtliche Werke». Zweiter Band. Alemannische und hochdeutsche Gedichte:

Z’Basel an mi’m Rhi, io dört möchti sy! Weiht nit d’Luft so mild und lau, und der Himmel isch so blau an mi’m liebe Rhi.

In der Münster Schuel, uf meim herte Stuehl, magi zwor iez nüt meh ha, d’Töpli stöhn mer nümmen a in der Basler Schuel.

Aber uf der Pfalz alle Lüte gfallt’s. O wie wechsle Berg und Thal, Land und Wasser überal, vor der Basler Pfalz!

Uf der breite Bruck, für si hi und z’ruck, nei, was sieht me Here stoh, nei, was sieht me Jumpfere goh, uf der Basler Bruck!

Wie ne freie Spatz, uffem Peters Platz, fliegi um, und ’s wird mer wohl, wie im Buebe-Kamisol, uffem Peters Platz.

Uf der grüene Schanz, in der Sunne Glanz, woni Sinn und Auge ha, lacht’s mi nit so lieblig a, bis go Sante Hans.

’s Seilers Rädli springt; los, der Vogel singt. Summervögeli iung und froh ziehn de blaue Blueme no. Alles singt und springt.

Und e bravi Frau wohnt dört ussen au. «Gunnich Gott e frohe Mueth! Nehmich Gott in treui Huet, liebi Basler Frau!»

Welche Spuren hat Hebel sonst in Basel hinterlassen? Hebel wurde in Basel geboren und ging hier zur Schule, lebte später aber vor allem im Wiesental und in Karlsruhe. Dennoch blieb Basel ein zentraler Bezugspunkt seines Werks. Sein Geburtshaus in der St.-Johanns‑Vorstadt existiert noch. Viele der im Baslerlied erwähnten Orte prägen das Stadtbild bis heute. Auf dem Peterskirchplatz erinnert ein Denkmal an ihn. Um dieses Denkmal herum zeigt sich Hebels Wirken in den nächsten Wochen nun auch akustisch: Dort kann man dank einer temporären Klanginstallation dem Dichter «zuhören».

Orange Klanginstallation – ähnlich wie Trichter.
Legende: Die Klanginstallation «Hebel spricht!» beim Hebel-Denkmal in Basel. Über Trichterröhren kann man Gedichte hören. Joel Hostettler, Oslo Studios

Wie wird sein 200. Todestag begangen? Zum 200. Todestag organisiert die Basler Hebelstiftung ein Jubiläumsjahr mit Lesungen, Konzerten und neuen Vermittlungsformaten. Herzstück ist die erwähnte Klanginstallation «Hebel spricht!». Über Trichter und Röhren, die mit der Statue verbunden sind, erklingen Geschichten und Gedanken Hebels – in moderner Sprache und teils im Dialekt. Die Texte stammen von der Germanistin und Kulturvermittlerin Barbara Piatti. Ziel ist ein niederschwelliger Zugang: Hebel soll nicht gelesen werden müssen, sondern soll einem zufällig auf der Strasse begegnen.

Büste vor Kirche
Legende: Hebel-Büste vor der Peterskirche in Basel. Der Dichter hat Spuren in seiner Geburtsstadt hinterlassen. Keystone / Georgios Kefalas

Warum ist Johann Peter Hebel heute noch aktuell? Hebels Texte sind bis heute verständlich, weil sie alltägliche Situationen mit Humor und klarem Blick erzählen. «Hebel spricht über Dinge, die uns heute noch beschäftigen», sagt Sebastian Mattmüller, Präsident der Basler Hebelstiftung. «Über menschliche Schwächen, über kluge Einfälle und darüber, wie man mit der Welt umgeht.» Hebel erzähle Geschichten, die man versteht, ohne Literatur studiert zu haben. «Seine Sprache ist alt, aber seine Gedanken sind es nicht», sagt Mattmüller. «Hebel ist erstaunlich nah an uns dran.»

Regionaljournal Basel, 14.4.2026, 17:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel