- Am 14. Juni entscheidet die Stimmbevölkerung in Basel-Stadt über eine Vorlage mit Signalwirkung.
- Sollen Steuern künftig direkt vom Lohn abgezogen werden können?
- Ein politisch umstrittenes Thema, denn es geht um Grundfragen wie Eigenverantwortung und staatliche Eingriffe.
Was auf den ersten Blick nach einer Erleichterung für viele Steuerzahlende klingt, hat sich in Basel zu einem umstrittenen Thema entwickelt. Zur Abstimmung steht am 14. Juni ein neues Steuermodell, das der Grosse Rat beschlossen hat. Dagegen haben Wirtschaftsverbände und bürgerliche Parteien das Referendum ergriffen.
Lohnabzug ist freiwillig
Der Kern ist ein Systemwechsel bei der Steuerzahlung: Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden sollen ihren Angestellten regelmässig einen Teil des Einkommens für die Steuern abziehen und an den Kanton überweisen. Wer das nicht möchte, kann sich vom System abmelden.
Steuerschulden sind das Thema Nummer eins bei Menschen mit Schulden.
Befürworter sehen darin eine pragmatische Antwort auf ein bekanntes Problem. Offene Steuerrechnungen zählen zu den häufigsten Ursachen von Verschuldung. «Steuerschulden sind das Thema Nummer eins bei Menschen mit Schulden», sagt SP-Grossrat Pascal Pfister.
Zwischen Einkommen und Steuerrechnung liege oft viel Zeit – «und in dieser Zeit kann viel passieren». Der Direktabzug setze genau hier an: «Dann sind die Steuern zu einem grossen Teil schon bezahlt und das Problem löst sich», so Pfister.
Arbeitgeber werden gezwungen, eine Aufgabe zu übernehmen, die nicht in ihrem Verantwortungsbereich liegt.
Gegner bestreiten das Problem nicht – wehren sich aber gegen die Umsetzung. «Die Arbeitgeber werden gezwungen, eine Aufgabe zu übernehmen, die nicht in ihrem Verantwortungsbereich liegt», sagt Dominik Marbet, Direktor des Arbeitgeberverbands Region Basel. Der zusätzliche Aufwand sei unnötig und ändere das System der Steuererhebung grundlegend.
Auch beim Nutzen gehen die Einschätzungen auseinander. Pfister spricht von einer kleinen Anpassung mit grosser Wirkung: «Man dreht an einer kleinen Schraube, und viele Probleme und viel Stress entstehen gar nicht erst.» Zudem bleibe das Modell freiwillig: «Wer das nicht will, kann sich einfach abmelden.»
Für die Arbeitgeber ist die Freiwilligkeit kein überzeugendes Argument. «Für die Unternehmen ist es eben nicht freiwillig – sie müssen den Abzug umsetzen», entgegnet Marbet. Zudem zweifelt er daran, dass ausgerechnet jene profitieren, die besonders gefährdet sind: «Diejenigen, die ohnehin Mühe haben, sind eher auf das Geld angewiesen und werden den Abzug ablehnen.»
Klassische Positionen im Abstimmungskampf
Die Fronten im Abstimmungskampf verlaufen weitgehend entlang klassischer politischer Linien: Linke Parteien wie SP, Grüne, Basta und Organisationen aus dem sozialen Bereich unterstützen die Vorlage. Wirtschaftsverbände und grosse Teile des bürgerlichen Lagers wie FDP, SVP, LDP und GLP lehnen sie ab.