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Älteste Besetzung der Schweiz Eigentümerin hat genug: «Gisi» in Winterthur droht Räumung

Nach fast 30 Jahren könnte eines der bekanntesten besetzten Häuser der Schweiz vor dem Ende stehen. Die «Gisi» in Winterthur muss bis Ende Juli geräumt werden. Sonst drohen Anzeigen und Polizeieinsatz.

Ab sofort sei die Nutzung des als «Gisi» bekannten Hauses an der General-Guisan-Strasse in Winterthur verboten, schreibt die Besitzerin, die Terresta AG, in einer Mitteilung. Die Besetzer und Besetzerinnen müssten das Haus bis zum 31. Juli verlassen. Sonst reiche die Besitzerin Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch ein.

Altes Gebäude mit geöffneten Fenstern und einem Protestbanner.
Legende: «Gegen die Stadt der Reichen» Für die Terresta AG ein falsches Narrativ, für die Besetzer ein wichtiges Argument: Droht die Räumung wegen Profitdenken der Besitzer? Eliška Králová

Als Grund gibt die Terresta AG erhebliche Brandschutzmängel an. Eine Kontrolle habe gezeigt, dass wichtige Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten würden. Es fehlten unter anderem ausreichende Fluchtwege. Zudem gebe es kein Sicherheitskonzept und keine klar verantwortlichen Personen.

Wir wissen, dass wir Brandschutzmängel haben in diesem Haus und das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren wollen.
Autor: Claudia Siegle Geschäftsführerin Terresta AG

Auf die Drohung, das Haus zu räumen, reagierten die Besetzerinnen und Besetzer prompt mit einer Mitteilung an die Medien.

Besetzer und Besetzerinnen wehren sich

Sie schreiben im Namen eines Kollektivs mit dem Namen «Häuservernetzung Winterthur», es sei eine glatte Lüge, dass die feuerpolizeilichen Auflagen nicht erfüllt würden.

Claudia Siegle von der Terresta AG sieht das anders: «Wir wissen, dass wir Brandschutzmängel haben in diesem Haus, und das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren wollen.» Weil die Besetzer und Besetzerinnen nicht kooperieren, würde die Immobilienfirma haften, wenn es im «Gisi» zu einem Brand kommen würde. Um Personenschäden und rechtliche Risiken zu vermeiden, hätte die Terresta AG deshalb ein sofortiges Nutzungsverbot ausgesprochen.

Graue Wand mit rotem und schwarzem Graffiti-Text.
Legende: Graffiti an der Fassade der besetzten «Gisi» Ausdruck der politischen Haltung und Gegenkultur, die das Haus seit der Besetzung 1997 prägt. Eliška Králová

Darum gibt es jetzt ein Ultimatum bis zum 31. Juli. Sind die Besetzerinnen und Besetzer dann noch nicht weg, werde sie die Terresta AG wegen Hausfriedensbruch anzeigen und die Stadt Winterthur müsste die «Gisi» räumen. Die Besetzer haben aber kein Interesse auszuziehen, wie sie schreiben.

Egal, was kommt: Wir geben die Gisi nicht kampflos auf!
Autor: Häuservernetzung Winterthur Besetzerkollektiv

Was die Besetzer und Besetzerinnen stört: Sie glauben, dass der Brandschutz nur ein Vorwand sei. Eigentlich wolle die Terresta AG, die zur Stefanini-Stiftung (SKKG) gehört, sie loswerden, um die «Gisi» zu sanieren und dann Wohnungen teuer zu vermieten.

Geschichte der «Gisi» in Winterthur

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Die «Gisi» wurde Anfang 1997 besetzt, kurz nachdem ein anderer autonomer Wohn- und Kulturraum geräumt worden war.

Wie die Wochenzeitung (WOZ) schreibt, entwickelte sich die «Gisi» in den folgenden Jahren zu einem selbstverwalteten Freiraum, in dem Menschen alternative Lebensformen ausprobierten.

Trotz mehrfacher Konflikte mit Behörden und Eigentümerschaft – etwa einer ersten Räumungsdrohung 1999 – konnte sich die «Gisi» lange halten und prägte laut WOZ die linksalternative Szene in Winterthur nachhaltig.

Egal, was komme, schreiben sie, sie würden die «Gisi» nicht kampflos aufgeben. «Besonders stossend ist das Vorgehen der SKKG, weil die Bewohnenden auf Vorrat auf die Strasse gestellt werden sollen. Denn für die Sanierung gibt es noch keine Baubewilligung», schreiben die Besetzerinnen und Besetzer.

Die Terresta AG plant eine Sanierung

Dagegen wehrt sich Claudia Siegle von der Terresta AG. Die Baubewilligung sei zwar tatsächlich noch nicht da. Das habe aber nichts mit den aktuellen Sicherheitsproblemen zu tun. Für die «Gisi» gibt es aber tatsächlich Pläne: «Wir wollen das denkmalpflegerisch bedeutende Haus in der Winterthurer Altstadt sanieren und dem Wohnungsmarkt zuführen», sagt Claudia Siegle.

Dabei sei es nicht die Philosophie der Stefanini-Stiftung, einfach nur teurere Wohnungen anzubieten. Bei anderen Sanierungen in der Altstadt hätten sie gezeigt, dass sie so wenig wie möglich und so viel wie nötig eingreifen. Wenn Leute bei einer Sanierung ausziehen müssten, würden zwei Drittel wieder zurückkehren. Das zeige, sagt Siegle, dass sie ein attraktives Angebot hätten.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 18.06.2026, 17:30 Uhr ; 

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