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Alkohol, Rauchen, Glücksspiele Sucht Schweiz fordert «Kurswechsel» von der Politik

  • Die Stiftung Sucht Schweiz fordert in ihrem Jahresbericht einen «Kurswechsel» und massive Investitionen in die Prävention.
  • Die Organisation kritisiert, dass der Bund trotz steigenden Krankenkassenprämien und jährlichen Milliardenkosten für Suchterkrankungen die Mittel kürzt.

Eine 2021 veröffentlichte Studie schätzt die wirtschaftlichen Kosten der Suchtproblematik in der Schweiz auf rund acht Milliarden Franken pro Jahr, wie Sucht Schweiz in der jährlichen Standortbestimmung «Suchtpanorama» festhält. Diese Summe umfasse die Verluste für Unternehmen und die Kosten für das Gesundheitssystem.

Darüber hinaus sterben laut der Stiftung in der Schweiz jedes Jahr mehr als 10'000 Menschen an den Folgen von Substanzkonsum. Insgesamt seien Zehntausende von Sucht betroffen.

Verschiedene leere Glasflaschen auf einem Tisch.
Legende: Gemäss Sucht Schweiz weist 16 Prozent der Bevölkerung einen mittleren oder hohen Gesundheitsrisiko-Konsum auf. Keystone/THOMAS BANNEYER

Trotzdem müssten Präventionsmassnahmen Kürzungen hinnehmen. Dabei senke jeder in die Prävention investierte Franken die Kosten, schreibt Sucht Schweiz. «Kürzungen im Bereich der Suchtbekämpfung führen zu einem Kontrollverlust und haben negative Folgen für die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft», warnt die Organisation. Sie fordert stattdessen eine «weitsichtige Strategie» in Sachen Prävention mit den dafür notwendigen Mitteln.

Weniger Alkohol und Tabak

In ihrem Jahresrückblick begrüsst die Stiftung den seit vielen Jahren den rückläufigen Absatz von Zigaretten. Allerdings konsumiert weiterhin mehr als ein Viertel der Bevölkerung ab 15 Jahren Nikotin. Der Boom und die Diversifizierung neuer Tabakprodukte halten an, wobei junge Menschen die Hauptzielgruppe seien.

Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit sei der Rückgang der Alkoholverkäufe und des täglichen Konsums ebenfalls eine gute Nachricht. 16 Prozent der Bevölkerung weise einen mittleren oder hohen Gesundheitsrisiko-Konsum auf.

Ein Viertel der Testkäufe von Alkohol in Geschäften und Restaurants führen laut dem Bericht auch zu illegalen Verkäufen an Jugendliche. Und jedes Jahr seien mehr als 1700 Neugeborene von fetalen Alkoholspektrumsstörungen betroffen.

Unterstützung angesichts der «Crack-Krise»

Cannabis konsumieren in der Schweiz rund 200'000 Menschen, wobei ein Schwarzmarkt von mindestens 50 Tonnen pro Jahr laut Sucht Schweiz jeglicher Regulierung und Besteuerung entgeht. Die Organisation hofft, dass der «vielversprechende Weg» der Pilotversuche zum regulierten Verkauf von Cannabis zu Verbesserung führen wird.

Angesichts der «Crack-Krise» in zahlreichen Schweizer Städten, fordert Sucht Schweiz zudem eine verstärkte Unterstützung durch den Bund. Der Verband ruft dazu auf, sich auf die mögliche Einführung synthetischer Opioide vorzubereiten, deren Konsum in den USA zu einer Welle von Todesfällen geführt hat.

Soziale Medien regulieren

Auch was Glücksspiele betrifft nehmen die Probleme in der Schweiz dem jüngsten Suchtpanorama zufolge zu. Rund sieben Prozent der jungen Erwachsenen weisen demnach einen problematischen Konsum auf. Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 18'000 Spielsperren verhängt. Die Verluste der Spieler belaufen sich auf über zwei Milliarden Franken.

Suchtverhalten kann auch online auftreten. Etwa sieben Prozent der 15-Jährigen, die soziale Medien nutzen, weisen laut ein problematisches Nutzungsverhalten auf. Trotz der Debatten um soziale Netzwerke und die Nutzung von Mobiltelefonen in der Schule seien bislang keine wirksamen Massnahmen zur Regulierung der manipulativen Mechanismen dieser Netzwerke vorgesehen.

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SRF 4 News, 5.2.2026, 5 Uhr ; 

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