Allmend, Dälhölzli oder Bodemünzi – Flurnamen bezeichnen kleine Gebiete, etwa Wiesen, Wälder oder Täler. Schätzungsweise 300'000 solcher Flurnamen gibt es in der ganzen Schweiz. Sie sind zum Teil Hunderte von Jahren alt und hinter ihnen stecken oft interessante Geschichten und Bedeutungen.
Bad Bonn, Le Stoutz, Nitsifall – die skurrilsten Flurnamen
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Bild 1 von 11. Allmend. Die Allmend war früher ein Stück Land, das allen gehörte und von allen genutzt wurde. Heute gibt es auch auf den Allmenden immer mehr private Häuser. Im Bild der Allmendweg in Tentlingen FR. Bildquelle: ROMANO RIEDO/fotopunkt.ch.
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Bild 2 von 11. Bethlehem. Den Flurnamen Bethlehem gibt es in der Deutschschweiz über 20 Mal. Meistens hat er aber nicht eine biblische Bedeutung, sondern stammt etwa vom Wort «Bettelheim» ab – einem Ort, wo arme Menschen wohnten. Oder der Ort wurde erst nachträglich aufgrund der biblischen Geschichte in Bethlehem umbenannt. Bildquelle: ROMANO RIEDO/fotopunkt.ch.
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Bild 3 von 11. Bad Bonn. Heute ist das Bad Bonn in Düdingen als Kultur- und Konzertlokal bekannt. Früher lag der Kurort am Ufer der Saane bei einer Brücke. Bonn leitet sich vom lateinischen Wort «pontanagium» – die Brücke (Französisch: Le Pont) – ab. Bildquelle: KEYSTONE/ANTHONY ANEX.
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Bild 4 von 11. Gottéron. Der HC Freiburg-Gottéron gehört zur Identität von Freiburg. Der Name kommt vom Galterental (Vallée du Gottéron), wo laut der Sage ein Drache wohnen soll. Bildquelle: KEYSTONE/PETER KLAUNZER.
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Bild 5 von 11. Galterntal. Das Galterntal führt vom Freiburger Stadtrand Richtung Tafers. Es ist benannt nach dem Galterenbach. Eine mögliche Herleitung des Namens könnte das alemannische Wort «Galt» sein, das so viel bedeutet wie «unfruchtbar» oder «wenig Wasser führend». Bildquelle: Google.
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Bild 6 von 11. Ameismüli. Am anderen Ende des Galterentals, bei Tafers, steht der Weiler Ameismüli. Der Name hat nichts mit Ameisen zu tun. Hier stand früher eine Mühle, die dem Müller Amey gehörte – also Ameys Mühle. Bildquelle: Google.
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Bild 7 von 11. Bodemünzi. Auf dem Bodemünzi, einem Hügel bei Murten, soll Karl der Kühne vor der Schlacht bei Murten seine Zelte aufgeschlagen haben. Laut Volksmund schrien die Eidgenossen ihm entgegen: «Z Bode müend si», woher der Name kommen soll. Belegbar ist dies nicht. Aber sollte es nicht so stattgefunden haben, so wäre es zumindest gut erfunden. Bildquelle: KEYSTONE/EDDY RISCH.
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Bild 8 von 11. Dälhölzli. Den Namen Dälhölzli kennen viele vom Berner Tierpark. Er kommt aber auch an anderen Orten in der Schweiz vor – oder in Abwandlungen wie Dälmatte oder Dählebach. Dähle ist ein altes Wort für die Föhre, ein Nadelbaum, der am Ursprung dieses Flurnamens steht. Bildquelle: KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE.
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Bild 9 von 11. Grandfey. Die Grandfey-Brücke verbindet Freiburg und Düdingen und überspannt somit den Röstigraben. Auch hier stand ein Baum als Namenspate: Grandfey bedeutet «stattliche Buche». Auch das Sensler Dorf Plaffeien hat diesen Ursprung und bedeutet «Ebene mit Buchen». Bildquelle: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT.
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Bild 10 von 11. Nitsifall. In Le Mouret findet man den Flurnamen «Nitsifall» an einem steilen Abhang – offensichtlich kommt der Name ursprünglich aus dem Schweizerdeutschen. Ähnlich ist es auch beim Quartier «Le Stoutz» in La Roche am Greyerzersee. Solche Namen zeigen, dass sich Sprachgrenzen über die Jahrhunderte verschoben haben. Bildquelle: ROMANO RIEDO/fotopunkt.ch.
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Bild 11 von 11. Ziel. Zwischen St. Antoni FR und Heitenried FR erreichen Wanderinnen und Wanderer manchmal schon vor dem Ende ihrer Tour das «Ziel». Früher wurden Grenzsteine auch Zilsteine genannt. Der Name bezeichnet also ein abgelegenes Grundstück in der Nähe einer Grenze. Der Flurname kommt in der Schweiz in Variationen wie Zihl, Zil und Ähnlichem über 100 Mal vor. Bildquelle: ROMANO RIEDO/fotopunkt.ch.
Der Verein KUND – Kultur Natur Deutschfreiburg – hat ein neues Buch über unerforschte Flurnamen im Kanton Freiburg herausgegeben. Initiator und Konzeptverantwortlicher ist der Freiburger Fotograf und Journalist Romano Riedo.
Es soll ein Kunstprojekt sein, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
«Alle Flurnamen im Kanton zu erforschen, hätte die Mittel bei weitem gesprengt», sagt Romano Riedo. Deshalb habe er einfach mal einen Pflock eingeschlagen und zusammen mit verschiedenen Autorinnen und Autoren eine Auswahl an Flurnamen getroffen, die ihn besonders interessiert hätten. Entstanden ist ein rund 200-seitiges Buch mit 80 Bildern und kurzen Kapiteln zu besonders erwähnenswerten Flurnamen. «Es soll ein Kunstprojekt und Lesebuch sein, ohne Anspruch auf Vollständigkeit», so Riedo.
Mitautorin ist die Freiburger Sprachwissenschaftlerin Claudine Brohy. «Flurnamen erzählen viele spannende Geschichten von früher», sagt sie. Gerade im Kanton Freiburg, an der Sprachgrenze, sehe man, wie die Menschen früher migriert sind und sich ausgetauscht haben. So findet man etwa im französischsprachigen La Roche den Flurnamen «Le Stoutz» oder in Le Mouret an einem steilen Abhang den Namen «Nitsifall».
Oft stellen Flurnamen die Forschenden aber auch vor Rätsel. «Ortsnamenforschung ist keine präzise Wissenschaft», sagt Brohy. Man stelle Hypothesen auf und versuche, diese zu belegen. Manchmal müsse man einfach zugeben, dass man es nicht genau wisse. Es könnte so sein oder auch ganz anders.
Die Publikation soll ein Anstoss sein, alle Flurnamen im Kanton Freiburg besser zu erforschen. In anderen Kantonen, insbesondere in der Deutschschweiz, ist dies bereits weiter vorangeschritten. In der Westschweiz gibt es noch grosse weisse Flecken bei der Forschung nach Ursprung und Bedeutung von Flurnamen. Die Verantwortlichen hoffen, dass daraus ein wissenschaftliches Projekt entsteht – zum Beispiel an der Universität Freiburg. Spruchreif ist aber noch nichts.