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Alte Ortsnamen Dälhölzli oder Bethlehem – die Geheimnisse hinter Flurnamen

Eine neue Publikation widmet sich unerforschten Flurnamen im Kanton Freiburg. Diese erzählen viel über frühere Zeiten – und sind an der Sprachgrenze besonders interessant.

Allmend, Dälhölzli oder Bodemünzi – Flurnamen bezeichnen kleine Gebiete, etwa Wiesen, Wälder oder Täler. Schätzungsweise 300'000 solcher Flurnamen gibt es in der ganzen Schweiz. Sie sind zum Teil Hunderte von Jahren alt und hinter ihnen stecken oft interessante Geschichten und Bedeutungen.

Bad Bonn, Le Stoutz, Nitsifall – die skurrilsten Flurnamen

Der Verein KUND – Kultur Natur Deutschfreiburg – hat ein neues Buch über unerforschte Flurnamen im Kanton Freiburg herausgegeben. Initiator und Konzeptverantwortlicher ist der Freiburger Fotograf und Journalist Romano Riedo.

Es soll ein Kunstprojekt sein, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Autor: Romano Riedo Initiator und Konzeptverantwortlicher

«Alle Flurnamen im Kanton zu erforschen, hätte die Mittel bei weitem gesprengt», sagt Romano Riedo. Deshalb habe er einfach mal einen Pflock eingeschlagen und zusammen mit verschiedenen Autorinnen und Autoren eine Auswahl an Flurnamen getroffen, die ihn besonders interessiert hätten. Entstanden ist ein rund 200-seitiges Buch mit 80 Bildern und kurzen Kapiteln zu besonders erwähnenswerten Flurnamen. «Es soll ein Kunstprojekt und Lesebuch sein, ohne Anspruch auf Vollständigkeit», so Riedo.

Das Buch

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Das Buch «Zwischen Himmel und Hölle – Flurnamen in Deutschfreiburg» erschien Mitte November und ist beim Verein KUND Kultur Natur Deutschfreiburg sowie im Buchhandel erhältlich.

In einzelnen kurzen Artikeln werden typische, interessante oder auffällige Flurnamen in Deutschfreiburg und an der Sprachgrenze aufgegriffen und erklärt. Ein separates Kapitel geht der Frage nach, wie die Flurnamen auf die Karten kommen.

Mitautorin ist die Freiburger Sprachwissenschaftlerin Claudine Brohy. «Flurnamen erzählen viele spannende Geschichten von früher», sagt sie. Gerade im Kanton Freiburg, an der Sprachgrenze, sehe man, wie die Menschen früher migriert sind und sich ausgetauscht haben. So findet man etwa im französischsprachigen La Roche den Flurnamen «Le Stoutz» oder in Le Mouret an einem steilen Abhang den Namen «Nitsifall».

Oft stellen Flurnamen die Forschenden aber auch vor Rätsel. «Ortsnamenforschung ist keine präzise Wissenschaft», sagt Brohy. Man stelle Hypothesen auf und versuche, diese zu belegen. Manchmal müsse man einfach zugeben, dass man es nicht genau wisse. Es könnte so sein oder auch ganz anders.

Autorinnen und Autoren

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Claudine Brohy hat in Linguistik doktoriert, unterrichtet und forscht auf dem Gebiet der Mehrsprachigkeit und der Sprachgeschichte. Sie arbeitet in nationalen und internationalen Kommissionen für Sprachpolitik, Sprachenrecht und -unterricht mit, unter anderem beim Europarat. Ihr Engagement für Mehrsprachigkeit wurde 2016 mit dem Oertli-Preis ausgezeichnet. Sie ist Vorstandsmitglied von KUND.

Romano Riedo ist freischaffender Fotograf, Ausstellungsmacher und Publizist. Seine gross angelegten Reportagen werden regelmässig in Ausstellungen gezeigt und in Buchform publiziert. Für seine Arbeit über Alpwirtschaft in der Schweiz wurde er 2014 mit dem Swiss Press Photo Award für Reportagen ausgezeichnet.

Weitere Beiträge schrieben der Volkskundler Jean-Pierre Anderegg, der Dialektologe und SRF-Mundartredaktor André Perler, der Sensler Schriftsteller Christian Schmutz und der ehemalige Geschichtsdozent an der PH Freiburg Charles Folly.

Die Publikation soll ein Anstoss sein, alle Flurnamen im Kanton Freiburg besser zu erforschen. In anderen Kantonen, insbesondere in der Deutschschweiz, ist dies bereits weiter vorangeschritten. In der Westschweiz gibt es noch grosse weisse Flecken bei der Forschung nach Ursprung und Bedeutung von Flurnamen. Die Verantwortlichen hoffen, dass daraus ein wissenschaftliches Projekt entsteht – zum Beispiel an der Universität Freiburg. Spruchreif ist aber noch nichts.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 20.11.2025, 17:30 Uhr;thon;brus

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