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Armeechef 100 Tage im Amt In welchem Zustand ist die Armee, Benedikt Roos?

Vor vierzig Jahren rückte Benedikt Roos in die Rekrutenschule ein. Heute ist er Chef der Schweizer Armee. In seiner ersten Bilanz nach drei Monaten im Amt warnt er vor den aktuellen Gefahren und wünscht sich mehr Mittel für die Sicherheit der Schweiz.

Benedikt Roos

Chef der Armee

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Benedikt Roos ist seit dem 1. Januar 2026 Chef der Schweizer Armee. Ihm unterstehen der Armeestab, das Kommando Operationen, die Logistikbasis der Armee, das Kommando Cyber und das Kommando Ausbildung.

SRF News: Seit 100 Tagen sind Sie Chef der Armee. In welchem Zustand haben Sie die Armee angetroffen?

Benedikt Roos: Wir befinden uns in einer sehr dynamischen und herausfordernden Zeit. Ich habe viele junge Menschen angetroffen, die sich engagieren. Gleichzeitig habe ich gesehen, dass wir Handlungsbedarf haben. Wir müssen uns auf neue Bedrohungsformen ausrichten. Das ist das Umfeld, in dem wir uns bewegen.

Wir setzen den Fokus auf die Abwehr von Bedrohungen aus der Distanz und hybride Kriegsformen.

Sie sind in einer schwierigen Zeit Chef der Armee geworden. In Europa herrscht Krieg, genauso wie im Nahen Osten. Wie schätzen Sie die Bedrohungslage für die Schweiz ein?

Zwei Bedrohungsszenarien stehen ganz klar im Vordergrund. Das eine ist eine hybride Bedrohungsform. Diese kann sehr unterschwellig beginnen, auch im Cyber- und Informationsraum. Die zweite Bedrohungsform kommt aus der Distanz: Raketen, Marschflugkörper und auch Drohnen.

Mann in Militäruniform vor technischer Ausrüstung.
Legende: Bei der Armee müssen die Ärmel hochgekrempelt werden. Das weiss kaum jemand besser als ihr neuer Chef Benedikt Roos. Keystone/Alessandro della Valle

Für diese Bedrohungslagen sollen Sie die Armee fitmachen, aufrüsten und modernisieren. Dafür haben Sie allerdings wenig Geld und die Politik spricht nicht unbegrenzt Mittel. Wie wollen Sie Ihren Auftrag erfüllen?

Das geht nur, wenn wir noch stärker Prioritäten setzen. Das machen wir selbstverständlich – das kommt auch in der Armeebotschaft 2026 zum Ausdruck. Wir setzen den Fokus auf die Abwehr von Bedrohungen aus der Distanz und hybriden Kriegsformen. Sprich: Drohnenabwehrsysteme, Boden-Luft-Verteidigungssysteme und die Stärkung des Cyberraums.

Wir können die Entscheide der amerikanischen Politik nicht beeinflussen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Schweizer Politik bereit ist, zu investieren, um das Land gegen diese Bedrohungen zu schützen? Oder hat man das Gefühl, dass es gar nicht so schlimm ist?

Ich glaube, dass wir uns bislang nicht ganz bewusst sind, was um uns herum geschieht. Auch in der breiten Bevölkerung fehlt dieses Bewusstsein noch. Trotzdem wächst die Sensibilität – das spürt man auch im Militär. Die Leute sind sehr fokussiert und der Dienstwille ist gestiegen.

Zuletzt gab es immer wieder Probleme und Pannen bei Beschaffungs- und Digitalisierungsprojekten. Aktuell wird berichtet, dass sich die Lieferung von Patriot-Systemen aus den USA verzögern soll. Dazu werden die Kampfjets teurer als geplant. Wie wollen Sie das in Zukunft besser machen?

Wir müssen zwei Dinge unterscheiden. Das eine sind Einflussfaktoren von aussen. Wir können die Entscheide der amerikanischen Politik nicht beeinflussen. Auf der anderen Seite ergreifen wir bei Projekten, die noch nicht optimal laufen, Massnahmen, um sie zu verbessern. Das ist mein Hauptfokus. Vergessen darf man auch nicht: Wir haben über 200 Projekte, die auf Erfolgskurs sind.

Könnte es bei den Projekten, die weniger gut laufen, zu einem Marschhalt kommen?

Das ist immer eine Option – bis hin zum Abbruch eines Projektes. Wenn wir sehen, dass es keine Erfolgschancen gibt, müssen wir auch den Mut haben, abzubrechen. Momentan sehe ich das noch nirgends. Bei den kritischen Projekten wie der Kampfjet- und Patriotbeschaffung habe ich persönlich die Programmaufsicht übernommen. Hier sollen alle verfügbaren Ressourcen eingesetzt werden können.

Das Gespräch führte Philipp Schrämmli.

Echo der Zeit, 26.03.2026, 18 Uhr ; 

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