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Aufstieg zur Volkspartei Tabubrüche und Triumphe – die Zuwanderungskämpfe der SVP

Mit dem Migrationsthema lotet die SVP seit dreissig Jahren Grenzen aus – und trifft damit einen Nerv. Ein Rückblick.

Wenn Sie allein sind, als Kleiner, müssen Sie einen sehr entschiedenen scharfen Kampf führen, sonst werden Sie nicht gehört.
Autor: Christoph Blocher SVP-Präsident und Unternehmer (1996)

Gezeichnet, aber nicht geschlagen tritt Christoph Blocher am 1. Dezember 1996 vors SRF-Mikrofon. Die Volksinitiative der SVP «gegen die illegale Einwanderung» ist soeben an der Urne gescheitert – mit 54 Prozent. Ein Achtungserfolg und doch ein Dämpfer für die Partei, die vier Jahre zuvor spektakulär den EWR-Beitritt der Schweiz (mit-)verhindert hatte.

Gerüchte, sich aus der Politik zurückzuziehen, lächelt Blocher weg. «Diese Freude kann ich meinen Gegnern nicht machen. Jetzt erst recht nicht. Wenn wir gewonnen hätten, wäre vielleicht alles erfüllt gewesen, dann hätte ich vielleicht abtreten können.»

Zwei Männer bei einer Konferenz mit Namensschildern.
Legende: Die Volksinitiative «gegen die illegale Einwanderung» ist eine Reaktion auf die gestiegenen Asylzahlen aufgrund der Balkankriege. Just vor der Abstimmung sanken diese allerdings wieder – die Initiative wurde verworfen. Keystone/STR

Europa und Zuwanderung: In diesen Jahren setzt die SVP ihre Kernthemen für die Zukunft – und steigt damit zur wählerstärksten Partei der Schweiz auf.

Sonderfall versus Erfolgsmodell

Immer wieder bringt sie polarisierende Volksinitiativen an die Urne. Gegen den Widerstand von Bundesrat, Parlament und Wirtschaftsverbänden, die das «Erfolgsmodell Schweiz» gefährdet sehen. Dem stellt die SVP den «Sonderfall Schweiz» entgegen und warnt vor Souveränitätsverlust und «unkontrollierter Öffnung».

Ein Zeitungsinserat aus dem Jahr 1995: EU- und Migrationskritik werden zum Markenzeichen der SVP.
Legende: Ein Zeitungsinserat aus dem Jahr 1995: EU- und Migrationskritik werden zum Markenzeichen der SVP. Inserat im Tages-Anzeiger (1995)

Die SVP schüttelt die auf Konkordanz und Kompromisse getrimmte Schweiz durch. Mit ihren Wahlkämpfen und Abstimmungsplakaten lotet sie die Grenzen des Sag- und Zeigbaren aus. Mit Erfolg: Seit den nationalen Wahlen 1999 ist sie stärkste Kraft im Land.

Umstrittene Volksinitiativen und «Dauerwahlkampf»

«Die SVP ist allein auf weiter Flur», stellt die Tagesschau fest, als die Partei 2012 ihre Initiative «Gegen Masseneinwanderung» (MEI) einreicht. Chancenlos sei das Volksbegehren aber keineswegs: «Dafür ist das SVP-Schwergewicht Christoph Blocher zu entschlossen.» Der vermögende Unternehmer lässt daran keinen Zweifel. Mit aller Kraft – und viel Geld – will er der Initiative zum Durchbruch verhelfen: 

Am 9. Februar 2014 gelingt der SVP der grösste Coup seit dem Nein zum EWR-Beitritt: Die Initiative wird hauchdünn mit 50.3 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Es ist der Anfang eines jahrelangen Ringens, in Bern wie in Brüssel. Die Umsetzung der MEI wird zum staatspolitischen Krimi.

Das Parlament arbeitet einen «Inländervorrang light» aus – die SVP geht auf die Barrikaden. Fraktionschef Adrian Amstutz spricht von «in Hochglanz verpacktem Verfassungsbruch». Der damalige SVP-Präsident Albert Rösti redet sich in Rage.

Die MEI wühlt die Schweiz und Europa auf

Die Debatte im Nationalrat ist wild, zuweilen gehässig. Und sie ist vor allem eines: eine Politshow fürs Publikum. Denn mit den Themen EU und Zuwanderung trifft die SVP einen Nerv in der Bevölkerung. Bei den Nationalratswahlen 2015 holt sie mit 29.4 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

«Grünrutsch» statt Rechtsruck

Aber bald schon dreht der Wind. Bei der «Klimawahl» 2019 ist die Themenkonjunktur eine andere: Die SVP gehört zu den Verliererinnen. Auch an der Urne erleidet sie empfindliche Rückschläge.

Weder «Durchsetzen» noch «Begrenzen»

Zwölf Jahre nach dem Ja zur MEI zieht die SVP in die nächste grosse Zuwanderungsschlacht: Am 14. Juni bringt sie die Initiative «Keine 10-Mio-Schweiz» an die Urne. Wieder stellt sich eine breite Allianz aus Wirtschaft und Politik der SVP entgegen. Doch die Chancen auf einen Coup sind intakt.

Der Kampf um Europa – mit Hellebarde

Die SVP mag den aktuellen Abstimmungskampf leiser als auch schon führen. Doch das Thema Zuwanderung hat wieder Konjunktur. Darauf weisen auch die jüngsten Wahlerfolge der SVP in den Kantonen hin. Das hat auch die politische Konkurrenz registriert – der Lärmpegel im Kampf um Europa dürfte noch steigen.

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SRF 4 News, 02.04.2026, 14 Uhr;liea

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