Während in niedrigeren Gegenden die Wiesen blühen, kämpfen die Arbeiter am Säntis noch mit winterlichen Herausforderungen. Auch zu dieser Jahreszeit liegt auf über 2000 Meter über Meer noch Schnee – zum Teil meterhoch. Die Arbeiter räumen den Schnee seit Tagen weg.
«Wir befreien gerade das vierte Fundament. Wir können erst mit den Montagearbeiten beginnen, wenn es schneefrei ist», sagt Michael Wehrli, Leiter Technik und Infrastruktur der Säntis Schwebebahn. «Dass es so viel Schnee hat, damit haben wir nicht gerechnet.»
Die Seilbahn auf den Ostschweizer Hausberg wird generalüberholt: neue Seile, neue Gondeln, ein neuer Mast. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist es in einem Sommer nicht möglich, mit der Bahn auf den Berg zu fahren. Seit dem 1. Mai ist die Bahn geschlossen. Geplant ist eine Wiedereröffnung gegen Ende Jahr. Wer im Sommer das Panorama geniessen will, muss zu Fuss hoch und runter. Das Berggasthaus Alter Säntis bleibt geöffnet.
Nur schon die Vorbereitungen für die Arbeiten am Berg sind aufwändig. Und gefährlich: «Ich muss schauen, wie der Bagger steht, vor allem wenn ich den Schnee runterstosse, dass nicht alles abrutscht», sagt Baggerfahrer Daniel Lieberherr.
Nur noch ein Mast statt zwei
Die spezielle Baustelle im steilen Gelände am Säntis ist schon länger im Betrieb. In den letzten Wochen wurden – mithilfe der noch laufenden Seilbahn – 260 Tonnen Stahl für den neuen Mast auf den Berg transportiert. «Die bekannte Stütze 2 wird komplett rückgebaut. Der neue Mast wird um einiges höher und somit auch spektakulärer», sagt der technische Leiter Michael Wehrli.
Höher und spektakulärer, damit es in Zukunft nur noch einen Mast braucht. Der untere soll komplett weg. Dieser wurde 2019 von einer Lawine derart beschädigt, dass er innert kürzester Zeit provisorisch verstärkt werden musste.
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Bild 1 von 3. Arbeiten in luftiger Höhe: Am Säntis wird die Seilbahn renoviert. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Michael Wehrli ist der technische Leiter der Säntis Schwebebahn. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Geschäftsführer Jakob Gülünay hilft in der Küche aus. Bildquelle: SRF.
Das Restaurant in der Bergstation ist während des Bahnstillstands ebenfalls geschlossen. Die Küche bleibt in Betrieb – für die Bauarbeiter, die per Helikopter auf den Berg kommen. Teil der Küchencrew ist auch Jakob Gülünay, der Geschäftsführer der Säntis Schwebebahn: «Ich werde zweimal jeweils eine Woche hier sein und nicht nur kochen, sondern auch putzen und kleine Unterhaltsarbeiten erledigen.»
Reichen die 30 Millionen Franken?
Die Küche funktioniert während dieser Zeit im Zweierteam. Die Mitarbeitenden, die es während dieser Zeit «nicht braucht», werden an andere Gastronomiebetriebe ausgeliehen, nehmen Ferien, besuchen Weiterbildungen. Entlassen wurde niemand, sagt Gülünay: «Das war unser Ziel. Wir brauchen diese Leute in etwa einem halben Jahr wieder, wenn wir den Betrieb wieder aufnehmen.»
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Bild 1 von 4. Noch sieht der obere Mast so aus. Bald wird er abgebaut und durch einen neuen, grösseren ersetzt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. So soll der neue Mast aussehen. Auch die Gondel wird ersetzt. Bildquelle: Säntis Schwebebahn.
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Bild 3 von 4. Letzte Tagesgäste nutzten Ende April die Möglichkeit auf die Panoramaaussicht vom Säntis. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Am 30. April fuhr die Säntisbahn das vorerst letzte Mal auf den Berg. Gegen Ende Jahr soll die Bahn wiedereröffnet werden. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
In normalen Betriebsjahren besuchen rund 250'000 Menschen das Ausflugsziel auf dem Gipfel des Säntis. Menschen, die eigentlich die Bahnfahrt bezahlen und im Restaurant Geld für Essen und Trinken ausgeben. Geld, das heuer fehlt. Geschäftsführer Gülünay ist zuversichtlich, dass die Kosten von 30 Millionen Franken für den Umbau inklusive Betriebsausfall eingehalten werden können.
Bis zur Abrechnung muss nun aber zuerst gebaut werden. Und zuerst der Schnee von den Fundamenten weg. Die Arbeit am Säntis hat gerade erst begonnen.