Bremgarten BE oder Muri BE: In diesen einst bürgerlich geprägten Gemeinden im Kanton Bern fand in den letzten Jahren politisch Bemerkenswertes statt. Die politischen Mehrheiten gingen nach links. In Muri übernahm die SP von der FDP das Gemeindepräsidium, in Bremgarten ist neu eine linke Mehrheit im Gemeinderat. Die SP übernahm von der FDP einen Sitz.
Wir können Parkplätze aufheben und Temporeduktionen einführen – was früher kaum möglich gewesen wäre.
Gewählt wurde in Bremgarten im Spätherbst 2023 der heute 34-jährige Familienvater und Jugendarbeiter Kevin Zeh. «Der politische Wandel in der Gemeinde kam für viele überraschend», erinnert er sich.
Der in Bremgarten aufgewachsene Kevin Zeh stellt fest, dass sich die Bevölkerung in seiner Gemeinde gewandelt hat. «Es ziehen immer mehr Familien aus der Stadt hierhin und bringen linke Ideale zu uns.» Für ihn sei es angenehm, in diesem Umfeld zu politisieren. «So können wir zum Beispiel beim Verkehr Temporeduktionen einführen oder Parkplätze aufheben – das wäre früher kaum möglich gewesen.»
Ursula Weber ist seit knapp drei Jahren für die SVP im Gemeinderat. Bremgarten und die Berner Agglomeration seien ein schwieriges Pflaster geworden für die bürgerliche Politik. «Wir werden immer mehr aufs Land hinausgedrängt.»
Sie merke das bei den Themen Schule oder Verkehr. «Es kommen neue Ideen aus der Stadt, und es wird versucht, das Rad neu zu erfinden.» Das störe sie.
Es wird versucht, das Rad neu zu erfinden – das stört mich.
Gemeinden wie Bremgarten und Muri zeigen einen Trend zu linkerem Abstimmungsverhalten, eine Entwicklung, die laut dem Politgeografen Michael Hermann in verschiedenen Orten zu beobachten ist.
Der Grund dafür liegt in der zunehmenden Urbanisierung: Nicht mehr alle, die urban leben möchten und eine entsprechende Weltanschauung teilen, finden in den Kernstädten Platz. Deshalb breitet sich die urbane, oft linke Mentalität zunehmend in den zentrumsnahen Agglomerationsgemeinden aus. Im Kanton Bern ist dieses Phänomen vor allem in der Region Bern selbst ausgeprägt, in Thun oder Biel weniger.
Auswirkungen auf die Wahlen Ende März
Die Frage nach den Auswirkungen auf die kantonalen Wahlen Ende März 2026 ist komplex. Politologe Marc Bühlmann betont, dass nicht in allen Gemeinden die Mehrheiten nach links gingen. Für die kantonalen Wahlen sei dies relevant, da Wahlkreise nicht nur Städte, sondern auch umliegende Gemeinden umfassen, die politisch anders gelagert sein können.
Auch in den Agglomerationen gilt: Wer mobilisiert, gewinnt.
Obwohl fast die Hälfte der Berner Bevölkerung in den städtischen Gebieten und in der Agglomeration rund um Bern lebt, ist es laut Bühlmann zu stark zugespitzt, zu behaupten: Wer hier gewinnt, gewinnt die Wahlen im ganzen Kanton. Entscheidend sei vielmehr, welche Partei oder welches Lager besser mobilisieren kann.
Agglomeration als politisches Pendel
Michael Herrmann benennt die Themen, die derzeit zu reden geben: Es gehe insbesondere um Zuwanderung und Verdrängung. Er bezeichnet die Agglomeration als «Zone zwischen den Welten», zwischen Stadt und Land.
Je nach «Grosswetterlage» kann laut Herrmann hier entweder das konservative oder das linke Lager Auftrieb erhalten. Gerade beim aktuellen Thema Dichtestress könnte in der Agglomeration eine Gegenreaktion entstehen, die wieder zu einem bürgerlicheren Wahlverhalten führt.
Das Pendel kann in beide Richtungen ausschlagen. Die Politologen können nicht mit Sicherheit vorhersagen, welche Seite am Ende besser mobilisiert und die Oberhand gewinnt.