Auf dem Bodensee hat es in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen heftig gebrodelt. Zwischen der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (SBS) und den deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) entbrannte ein Streit um Geld, Ticketregelungen und Touristenströme. Zuletzt entstand der Eindruck, die beiden Unternehmen seien einander spinnefeind.
Kriegsbeil begraben
Am Wochenende traf sich die Bodensee-Flotte zur traditionellen Sternfahrt. Vier Schiffe, zwei aus der Schweiz und je eines aus Deutschland und Österreich, kamen Bug an Bug zusammen. Mittendrin nutzten SBS und BSB überraschend die Bühne, um ihren Streit zu beenden. Die beiden Chefs griffen zur Schaufel und begruben das sprichwörtliche Kriegsbeil medienwirksam in einer Kiste mit Sand.
Wir waren Mitarbeitenden und Gästen verpflichtet, vorher eine Lösung zu finden.
Für SBS-Verwaltungsratspräsident Benno Gmür war klar, dass der Streit nicht bis zur Sternfahrt weiter schwelen durfte: «Es kann doch nicht sein, dass wir an einem solchen Anlass zum ersten Mal wieder voreinander stehen, nachdem wir uns wochenlang über die Medien bekämpft haben», sagt er gegenüber SRF. «Wir waren Mitarbeitenden und Gästen verpflichtet, vorher eine Lösung zu finden. Darum mussten wir hier gemeinsam auftreten.»
Bald gemeinsame Tageskarte
Mehrere Punkte ebneten den Weg zur Einigung: Deutsche Tickets gelten wieder auf SBS-Schiffen – ohne Entschädigung. Dafür darf die «Euregio» wieder in Friedrichshafen anlegen. Ab nächstem Jahr fahren Schweizer Kursschiffe wieder nach Konstanz. Und zentral: Die Planung einer gemeinsamen Tageskarte wird wieder aufgenommen. Laut SBS-Chef Benno Gmür sind dafür Währungsfragen, Distanzen, Kostenmodelle und die Gewinnverteilung zu klären. Das Projekt stehe erst am Anfang und brauche rund zwanzig Monate.
Der Tenor war einstimmig: Da muss etwas gehen.
Wie der Kompromiss zustande kam, hängt auch mit politischen Gesprächen zusammen. Der St. Galler SVP-Kantonsrat Philipp Köppel sowie Robert Raths, SBS-Verwaltungsrat und Rorschacher Stadtpräsident, initiierten im Herbst eine Arbeitsgruppe der Internationalen Parlamentarischen Bodenseekonferenz, die Bewegung in den Konflikt brachte. «Der Tenor war einstimmig: Da muss etwas gehen», sagt Köppel. Politischer und medialer Druck habe beide Unternehmen zum Einlenken bewogen. Auch SBS-Chef Benno Gmür bestätigt die grosse Angst vor dem Imageverlust.
Der Gast bezahlt für ein stimmiges Erlebnis – nicht für Probleme im Hintergrund.
Die Bodensee-Schifffahrt kämpft seit Jahren mit hohen Dieselpreisen, Kostendruck und veränderten Gästeerwartungen. Dennoch bleibe sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Das betont auch Thomas Kirchhofer, Direktor St. Gallen-Bodensee Tourismus, der die Einigung ausdrücklich begrüsst. Die Vierländerregion funktioniere nur gemeinsam, sagt er: «Der Gast bezahlt für ein stimmiges Erlebnis – nicht für Probleme im Hintergrund.»
Für Kirchhofer entspricht die Einigung genau dem, was Gäste heute erwarten: ein reibungsloses Erlebnis auf dem ganzen See. Nun hofft er auf Tempo bei der gemeinsamen Tageskarte. Ende Mai berät die Internationale Parlamentarische Bodenseekonferenz erneut darüber – ein weiterer Schritt zu einer besser koordinierten Schifffahrt.