Bombardier fordert von SBB 326 Millionen Franken

Die grösste Zugbestellung der SBB eskaliert: Hersteller Bombardier sieht sich an keine vertraglichen Liefertermine mehr gebunden – und fordert jetzt von der SBB 326 Millionen Franken. Das zeigen Recherchen der «Rundschau».

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Streit um neue Doppelstockzüge

8:09 min, aus Rundschau vom 22.1.2014
Vertrauliches Dokument der SBB zur Rollmaterialbeschaffung von Bombardier. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dokument mit Zündstoff: SBB und Bombardier streiten um Millionen. SRF

Bisher gab SBB-Chef Andreas Meyer öffentlich zu, dass die 1,9 Milliarden teuren, modernsten Bombardier-Doppelstockzüge mit mindestens zwei Jahren Verspätung auf die Schienen kommen. Jetzt zeigt ein vertrauliches Dokument der SBB-Projektleitung, das der «Rundschau» vorliegt: Hersteller Bombardier und die SBB kämpfen hinter den Kulissen um Millionen-Entschädigungen.

Bombardier: «Alle Schuld bei SBB»

Zugbauer Bombardier richtet seit Mitte November 2013 harte Vorwürfe an die Bahn. Die SBB-Projektleitung schreibt im internen Dokument unmissverständlich: «Bombardier wirft SBB vor, sie habe den vertraglichen Projektablauf durch unzulässige Eingriffe in den Designprozess gestört.» Alle Schuld liege bei der SBB, «wegen starkem Einmischen.»

Es kommt noch schlimmer. Wörtlich schreibt die Projektleitung:

«  «Für Bombardier( …) bestehen keine gültigen vertraglichen Liefertermine mehr.» »

Öffentlich zeigt sich Bombardier Schweiz-Chef Stephan Wettstein im «Rundschau»-Interview noch optimistisch: «Die Passagiere werden Ende 2015 mit den ersten Zügen fahren können.»

326 Millionen-Forderung: SBB verhandelt

Offenbar hat die SBB seit der Zugsbestellung laufend Änderungswünsche eingereicht. Dies habe das Projekt massiv verteuert, bestätigt Bombardier-Chef Wettstein: «Wir haben Mehraufwendungen, die man in einer Projektabwicklung mitberücksichtigen muss. Wer wie viel der Mehraufwendungen von beiden Seiten tragen soll, ist Gegenstand von Verhandlungen. Die führe ich nicht vor der Kamera.»

«Rundschau»-Recherchen zeigen: zurzeit klärt die SBB, wie sie auf die Bombardier-Forderung über 326 Millionen Franken reagieren will. Kommt es zu einem Deal zwischen der SBB und Bombardier? Im internen Dokument schreibt die SBB: «Bevor Zahlungen an Bombardier geleistet werden, ist durch die Projektleitung abzuklären, ob eine Verrechnung mit Pönalen (Strafzahlungen für verspätete Zuglieferung, red.) erklärt wird.»

Mit andern Worten: das Verrechnen der gegenseitigen Forderungen käme einem Schuldeingeständnis der SBB gleich – zu Lasten der Steuerzahler.

Verkehrspolitiker: Offener Brief an SBB-Chef Meyer

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Rundschau-Theke

Jeaninne Pilloud SBB Chefin Personenverkehr stellt sich heute live in der Rundschau denn kritischen Fragen um 20.50 Uhr auf SRF 1.

Verkehrspolitiker sind alarmiert über die Beschaffungsprobleme der SBB. In einem offenen Brief fordert die FDP aktuell Klarheit von SBB-Chef Andreas Meyer. Verkehrspolitiker und FDP-Nationalrat Markus Hutter sagt zur «Rundschau»: «Der Schaden durch die verspätete Lieferung ist da. Käme noch die Bombardier-Forderung von 326 Millionen hinzu, wäre dies der GAU, das muss man mit allen Mitteln verhindern.» SP-Verkehrspolitiker Roger Nordmann kommentiert: «Zusätzliche Forderungen sind nicht das Richtige, im aktuellen Moment, weder von SBB noch von Bombardier.»