Oft ausgebucht und trotzdem leer? Schweizer Berghütten kämpfen gegen einen aktuellen Trend. Klar kann es wegen schlechten Wetters die eine oder andere Absage geben. Aber wenn Berggängerinnen und Berggänger gleichzeitig mehrere Hütten auf Vorrat buchen, werde dies für die Hüttenwarte zum Problem: «Wir haben eine sehr hohe Zahl, die ohne zu annullieren nicht auftaucht», sagt Remo Schläpfer, Bereichsleiter Kommunikation beim Schweizer Alpen-Club SAC.
2025 so viele Übernachtungen wie noch nie
Immer mehr sogenannte «No-Shows» machen den Hüttenbetreiberinnen und -betreibern zu schaffen. Deshalb will der Schweizer Alpen-Club SAC jetzt die Regeln verschärfen – mit einer Reservationsgebühr. Zusätzlich ist eine Sensibilisierungskampagne geplant, zusammen mit den Alpen-Clubs aus Deutschland und Österreich, die mit ähnlichen Problemen kämpfen.
Beim SAC werden 40 Prozent aller Buchungen annulliert. Das ist mehr als doppelt so oft wie in herkömmlichen Hotels. Gleichzeitig zu den steigenden No-Show-Zahlen war das Hüttenjahr 2025 ein erfolgreiches: Es gab so viele Übernachtungen in SAC-Hütten wie noch nie – über 400'000.
Über eine Reservationsgebühr wird Mitte Juni an der Abgeordnetenversammlung entschieden: Ob der SAC in all seinen über 150 Hütten eine solche Gebühr einführen will und wie hoch diese sein soll.
Eine dieser SAC-Hütten ist die Glärnischhütte, in den Glarner Alpen, oberhalb des Klöntalersees. Dorthin sind am sonnigen und warmen Pfingstwochenende auch diverse Wanderer und Bergsteigerinnen unterwegs. Die Glärnischhütte liegt auf knapp 2000 Metern über Meer. Auf dem Weg dahin gibt es noch Schneefelder.
Du kochst für nichts.
Am Pfingstwochenende ist auch Saisoneröffnung. Hüttenwart Fridli Riegg kocht bereits und hofft, dass auch wirklich alle angemeldeten Gäste kommen. In der letzten Saison war dies nicht immer der Fall: «Wenn wir 90 Reservationen haben und nur 70 kommen, dann wird es verdammt schwierig. Du kochst für nichts.» Zu viel eingekauft, zu viel gekocht, zu viel Personal aufgeboten – ein Ärger.
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Bild 1 von 3. Die Glärnischhütte richtet sich wie andere SAC-Hütten beim Kochen nach der Anzahl der Reservierungen. Hier bereitet Hüttenwart Fridli Riegg gerade Rösti vor. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Hüttenwartin Pia Kunz plädiert ebenfalls für eine Reservationsgebühr. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Die Berghütten sind über den ganzen Sommer beliebte Ziele für Bergsteiger und Wanderinnen. Bildquelle: SRF.
Die Glärnischhütte ist kein Einzelfall. Viele Hütten würden mit demselben Problem kämpfen, sagt Remo Schläpfer, Bereichsleiter Kommunikation beim Schweizer Alpen-Club: «Ich habe kürzlich von einer Familie gehört, die vier Wochenenden in Folge reserviert hat. Und dann nur eine Reservation wahrgenommen hat. Das geht natürlich nicht.» Warum man so was mache? «Man will sich alle Optionen offenhalten, vielleicht schauen, wann das Wetter ideal ist.»
Entscheid am 13. Juni
Auch die Hüttenwartin der Glärnischhütte, Pia Kunz, plädiert für die Reservationsgebühr, die nun im Raum steht: «Wenn du reservierst, zahlst du einen Betrag. Wenn du nicht kommst, verfällt das. Das Geld gehört uns. Wenn du kommst, wird es angerechnet.»
Noch ist unklar, ob es die Reservationsgebühr bald gibt oder nicht. Den Entscheid fällen die SAC-Abgeordneten am 13. Juni.