Was ist die Ausgangslage? Neu zugelassene Autos in der Schweiz müssen jedes Jahr gewisse CO₂-Werte erreichen. Im vergangenen Jahr lag die gesetzliche Vorgabe bei 93.6 g CO₂/km. Allerdings wurde dieser Wert im Durchschnitt nicht erreicht, sondern lag bei 101.6 g CO₂/km. Ein Grund dafür ist, dass in der Schweiz nach wie vor vergleichsweise viele Diesel- und Benzinautos verkauft werden.
Was sind die Folgen? Jene Autoimporteure, welche die CO₂-Ziele für ihre Fahrzeuge verfehlen, müssen eine Strafgebühr zahlen. Insgesamt summieren sich die Sanktionszahlungen für 2025 auf rund 100 Millionen Franken, wie die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Energie BfE zeigen.
Was fällt auf? Eigentlich wären die Sanktionszahlungen doppelt so hoch ausgefallen: 200 Millionen Franken anstatt «nur» 100 Millionen. Der Hintergrund: Im vergangenen Jahr wurde die mathematische Formel zur Berechnung der Sanktionszahlungen angepasst. Dabei wurden den Importeuren gewisse Erleichterungen gewährt. Nun zeigen sich erstmals die Folgen dieser Anpassung: «Ohne diese Erleichterung wären die Sanktionen der Grossimporteure im Jahr 2025 rund doppelt so hoch ausgefallen», schreibt das BfE in seinem Bericht zu den Sanktionszahlungen.
Was ist das Brisante daran? Die Autobranche hat in der Vergangenheit grossen Druck ausgeübt, dass die CO₂-Verordnung – dort ist die Berechnung der Sanktionszahlungen geregelt – angepasst wird. Sie hat das unter anderem damit begründet, dass sich die elektrischen Fahrzeuge nicht so schnell verkauften, wie erwartet. Zudem sei auch die wirtschaftliche Lage der Autoindustrie angespannt. Mit diesen Argumenten sind die Importeure in der Politik auf offene Ohren gestossen, vor allem beim zuständigen Bundesrat Albert Rösti. Er war vor seinem Bundesratsamt der Präsident von Auto Schweiz, dem Verband der Schweizer Autoimporteure.
Wie fallen die Reaktionen aus? Gemischt. Kritisch äussert sich Martin Winder, Bereichsleiter Verkehrspolitik beim Verkehrsclub Schweiz VCS: «Die Importeure haben das Ziel deutlich verfehlt. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Schweiz nicht auf Kurs ist, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Der CO₂‑Ausstoss der neu verkauften Autos sinkt viel zu langsam.» Erleichterungen bei den Sanktionen zu gewähren, sei deshalb der falsche Weg. «Die Gesetzgebung ist zu lasch», so Martin Winder.
Auch für Thomas Rücker als Direktor von Auto Schweiz sinken die CO₂-Werte zu wenig schnell. Das liege vor allem an der Kundschaft: «Die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen ist nicht ausreichend gut gewesen.» Doch deswegen der Branche höhere Sanktionen oder gar strengere Vorgaben aufzuerlegen, sei der falsche Weg. «Wir haben alles Mögliche versucht, um die Sanktionszahlungen zu vermeiden. Das ist nicht gelungen. Wir sehen jetzt die Quittung der Bemühungen, die trotz allem in Sanktionszahlungen resultieren.»
Immerhin sei es – dank politischer Einflussnahme – gelungen, die Folgen der Sanktionen abzufedern. «Insofern waren wir offensichtlich erfolgreich», so Thomas Rücker. Und zur Frage, ob die Branche von der Politik ein 100-Millionen-Geschenk erhalten habe, sagt er: «Die Antwort ist ja.»