- Der Pharmakonzern MSD mit Schweizer Sitz in Luzern hat sein neues Hauptquartier eröffnet.
- 750 Mitarbeitende gehen nun im Rösslimatt-Quartier neben dem Bahnhof ein und aus.
- MSD könnte laut Recherchen der grösste Zahler von Unternehmenssteuern in der Schweiz sein.
Welche Pharmaunternehmen kommen Ihnen spontan in den Sinn? Novartis vielleicht, vermutlich auch Roche. Wohl aber kaum MSD. Dabei hat der US-Pharmakonzern seit 1963 seinen Schweizer Hauptsitz in Luzern. Und produziert mit Keytruda das umsatzstärkste Krebsmedikament weltweit.
Zudem könnte die Merck Sharp & Dohme AG, kurz MSD, hierzulande jene Firma sein, die am meisten Unternehmenssteuern abliefert. Rund 1.8 Milliarden Franken sollen es letztes Jahr gewesen sein. Das haben Recherchen der «Republik» in Kooperation mit dem International Consortium of Investigative Journalists ergeben.
MSD gehört zu den Top Ten
In der Schweiz beschäftigt der Konzern über 1000 Angestellte aus rund 70 Nationen, eine knappe Hälfte der Belegschaft hat den Schweizer Pass. Dass MSD hierzulande oft unter dem Radar fliegt, hänge wohl damit zusammen, dass das Unternehmen – anders als Novartis oder Roche – historisch nicht aus der Schweiz komme, sondern aus den USA. Dies sagt die Pharmabranchen-Expertin Marie-Lyn Horlacher.
Horlacher arbeitet als Strategieberaterin für Pharma und Medtech bei Oliver Wyman und kennt den US-Konzern. «MSD ist ein führender Player in der Pharmabranche, gehört zu den Top Ten und investiert viel in die Forschung und Entwicklung von Medikamenten.»
Neubau als Beweis für längerfristige Bindung
Am Freitag hat MSD Schweiz sein neues Hauptquartier in Luzern offiziell eröffnet. Die Standortwahl kommt nicht von ungefähr: Luzern ist aktuell der Kanton mit den tiefsten Unternehmenssteuern.
Dies sei für MSD sicher ein bedeutender Faktor, sagt Marie-Lyn Horlacher. «Aber wichtig sind auch die politische Stabilität, die internationale Anbindung der Schweiz und der Zugang zu hoch qualifizierten Arbeitskräften.»
In der Pharmaindustrie herrschen bewegte Zeiten: Anfang April hat US-Präsident Donald Trump für die Einfuhr patentgeschützter Medikamente in die USA massive Zölle angekündigt. Sein Ziel: die inländische Produktion stärken. Besteht das Risiko, dass MSD seine Stellen aus Luzern abzügeln und nach Amerika verlagern könnte?
Expertin Marie-Lyn Horlacher bestätigt: Im Pharmabereich bestehe Druck, Forschung, Entwicklung und Produktion in den USA anzusiedeln. «Andererseits ist die Investition in einen neuen Hauptsitz eine Entscheidung, die man nicht von heute auf morgen widerruft.»
Franz Escherich, Verwaltungsratspräsident von MSD Schweiz, unterstreicht diese Aussage mit einer Zahl: knapp 60 Millionen Franken. «Dieses Investment ist gedacht als langfristiges Commitment zu Stadt und Kanton Luzern.»
Linksgrün warnt vor Klumpenrisiko
Gerade in Luzern gibt es immer wieder Stimmen aus dem linksgrünen Lager, die vor einem Klumpenrisiko warnen: Gäbe es einen Stellenabbau – oder einen Umsatzdämpfer beim Krebsmedikament Keytruda –, könnte dies zu grossen Einbussen bei den Steuererträgen führen.
Wenn man Unternehmen ansiedelt, ist man in einem gewissen Masse auch abhängig von ihnen.
«Dies ist ein Spannungsfeld», sagt Horlacher. «Wenn man Wirtschaftsförderung betreibt und Unternehmen ansiedelt, ist man in einem gewissen Masse auch abhängig von ihnen.»
Gleichzeitig hält sie fest: MSD dürfe man nicht auf Keytruda reduzieren. Das Unternehmen entwickle auch Produkte für die Tiermedizin sowie Impfstoffe, etwa Kinderschutzimpfungen.