Ein Handyvideo, von leicht unten gefilmt, Hochformat, Gegenlicht. Patrick Fischer wirkt ein wenig nervös, als er sich am Montagabend via Instagram an die Öffentlichkeit wendet. Und die Form seiner Stellungnahme, besagtes Handyvideo, wirkt – nun ja, eher improvisiert.
Fischer kommt damit einer SRF-Recherche zuvor und gibt zu, 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu Olympia nach China gereist zu sein. Es ist der erste öffentliche Kommunikationsakt in einem Skandal, der rund 48 Stunden später in der Entlassung des Trainers münden wird. Aber noch einmal der Reihe nach.
Das Handyvideo
«Das wirkt authentisch», so Claudia Jenni zu Fischers Handyvideo. Ihr Fachgebiet: die Kommunikation in Krisensituationen. Sie leitet eine Agentur in Zürich, wo sie neben Unternehmen auch Politikerinnen, Schulen und die öffentliche Hand berät.
Das Video sei eben nicht in einem Studio aufgenommen, sondern im privaten Ambiente. Der Heimvideo-Charakter macht Fischer in diesem Sinn glaubwürdig. «Ich habe ihm das abgenommen», sagt auch Jenni.
Eine zentrale PR-Devise in solchen Krisensituationen laute: in den «driver's seat» zu kommen, also in den sprichwörtlichen Fahrersitz. Idealerweise hätte Fischer sein Fehlverhalten freiwillig zugegeben, bereits nach der Verurteilung vor ein paar Jahren – und nicht erst unter Druck und in dem Wissen, dass es so oder so an die Öffentlichkeit gelangen würde.
Das Statement des Eishockeyverbands
Als Fischers Entschuldigung online geht, erscheint ungefähr zeitgleich eine Stellungnahme des Eishockeyverbands. Präsident Urs Kessler lässt sich dort mit den folgenden Worten zitieren: «Wir als Verband […] finden es anerkennenswert, dass Patrick Fischer diesen Schritt an die Öffentlichkeit geht». Und: «Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen.»
Aus PR-Sicht hätte man sich mit den wichtigen Stakeholdern absprechen sollen. Das wäre etwas vom Ersten gewesen, was ich ihnen geraten hätte.
Während Fischer auf Instagram um Verzeihung bittet, stärkt ihm der Verband demonstrativ den Rücken – und unterschätzt dabei, was für eine Eigendynamik der Fall innerhalb kurzer Zeit entwickeln wird.
Swiss Olympic meldet sich zu Wort
«Aus heutiger Sicht war diese Stellungnahme eine totale Fehleinschätzung der Situation und der möglichen Folgen», sagt Claudia Jenni. Der Eishockeyverband habe zu diesem Zeitpunkt in einem zu kleinen Rahmen gedacht.
Tatsächlich entgleitet dem Verband die Deutungshoheit noch am Montagabend. SRF veröffentlicht nämlich eine weitere Stellungnahme, diesmal von Swiss Olympic. Die klingt bedeutend anders. Der Dachverband des Schweizer Sports zeigt sich «überrascht und irritiert» – und kritisiert Fischer eindeutig.
Diese Unstimmigkeit springt Claudia Jenni ins Auge. Für die Kommunikationsberaterin ist es nur schwer verständlich, warum sich der Eishockeyverband nicht besser mit seiner Dachorganisation koordiniert hat.
Aus PR-Sicht hätte man sich mit den wichtigen Stakeholdern absprechen sollen: zum Beispiel mit den Sponsoren, Swiss Olympic oder Swiss Integrity. Vielleicht wäre dann schon die erste Stellungnahme des Eishockeyverbands anders ausgefallen. Natürlich sei das nur einer von vielen Puzzlesteinen – in einem medialen Gesamtbild, das man nie ganz kontrollieren könne. Aber dass sich der Eishockeyverband nicht besser mit seiner Dachorganisation abgesprochen habe, sei doch ein grober Schnitzer. «Das wäre etwas vom Ersten gewesen, was ich ihnen geraten hätte».