- Vier Wochen lang besetzten Aktivistinnen und Aktivisten ein ehemaliges Chemieproduktions-Areal im Kleinbasel.
- Nach einem Ultimatum, das am Sonntagabend abgelaufen war, begann die Polizei am frühen Morgen mit der Räumung.
- Die Areal-Besitzerin Swiss Life betonte, die Räumung erfolgte aus «Sicherheitsgründen».
Sie wollten «einen Gegenentwurf zu Kommerz und Konsum» schaffen – die Aktivistinnen und Aktivisten des sogenannten «Zack-Kollektivs», welche das ehemalige Chemie-Areal im Norden von Basel besetzt hatten. Am Mittwochmorgen machten Polizei und Areal-Besitzerin Swiss Life diesen Plänen aber einen Strich durch die Rechnung.
Räumung verzögerte sich
Der Einsatz begann um 4 Uhr: Die Polizei rückte zur Räumung des rund 7000 Quadratmeter grossen Areals an der Klybeckstrasse aus, auf dem sich drei Gebäude befinden. Zu dieser Zeit waren gemäss Polizei noch zwei Personen auf dem Dach eines Gebäudes. Mit ihnen stand die Polizei über mehrere Stunden im Austausch. «Ihre Sicherheit hat oberste Priorität», sagte Polizeisprecher Rouven Brucker am Mittag. Die Räumung verzögere sich entsprechend. Die übrigen Gebäude seien bereits leer.
Der Einsatz der Polizei stiess vor Ort auf Kritik. Einzelne Anwohnerinnen und Anwohner, die sich vor der Polizeiabschrankung versammelten, bezeichneten das Vorgehen gegenüber SRF als überdimensioniert.
«Das ganze Quartier ist bis zur Dreirosenbrücke abgesperrt», sagte ein Mann vor Ort. Eine Anwohnerin sprach von einem «falschen Film», angesichts der «dutzenden, schwer ausgerüsteten Polizisten».
Besetzt worden war das Gelände vor ziemlich genau einem Monat. Aktivistinnen und Aktivisten hatten in mehreren leer stehenden Industriegebäuden unter dem Namen «Zack» ein selbstverwaltetes Kulturzentrum eingerichtet. An einem Ort, an dem bis vor Kurzem noch Kulturveranstaltungen stattfanden, im Rahmen einer legalen Zwischennutzung.
Wunsch nach Räumen für «Experimente und Interaktionen»
Mit der Besetzung habe man sich dann Ende Mai einen «dringend benötigten selbstorganisierten Kulturraum zurückgeholt», schrieben die Aktivistinnen und Aktivisten. Denn, in der Stadt Basel fehlten Räume, in denen «wilde Experimente möglich sind und ungeplante soziale Interaktionen stattfinden».
Swiss Life begründet die Räumung indes mit Sicherheitsrisiken. Die Gebäude seien stillgelegt und nicht mehr für eine Nutzung ausgelegt. «Eine Sperrung des betroffenen Areals ist unumgänglich, um die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten», teilte das Unternehmen schriftlich mit. Das Gelände bleibt gesperrt; wer es unbefugt betritt, mache sich strafbar.
Weitere Proteste angekündigt
Nach Abschluss des Polizeieinsatzes geht die Verantwortung wieder an die Eigentümerschaft über. Diese muss das Areal sichern, um weitere Besetzungen zu verhindern.
Die Aktivistinnen und Aktivisten drohen indes mit weiteren Besetzungen und haben auch schon weitere Aktionen angekündigt. Für Mittwochabend war zudem eine Demonstration geplant.
Langfristig planen Swiss Life und die Rhystadt AG auf dem Klybeck-Areal ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen sowie Grün- und Freiräumen. Die bestehenden Gebäude sollen abgebrochen werden; entsprechende Gesuche wurden im April eingereicht. Der Rückbau der ersten Gebäude auf dem Areal ist bis Ende 2027 vorgesehen.