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Entlassung von Patrick Fischer «Seine Glaubwürdigkeit hat extrem gelitten»

Als Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft reiste Patrick Fischer 2022 ungeimpft mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele in Peking. Deshalb wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt. Warum er schliesslich entlassen wurde, erläutert SRF-Sportredaktor Reto Held.

Reto Held

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Reto Held ist seit 2002 Sportredaktor und ‑reporter bei SRF. Der erfahrene Sportjournalist ist in der Sportredaktion von Radio SRF auch als Moderator, Kommentator und Projektleiter tätig. Zudem ist er immer wieder als TV-Kommentator zu hören.

 

Was hat das Fass im Fall Fischer zum Überlaufen gebracht?

Es waren letztlich Dinge, die Fischer weggelassen oder geschönt hat. So sagte er zum Beispiel, er habe sich bis auf den Zertifikatsbetrug an geltendes Recht gehalten. Doch das stimmt nicht, denn es hatte schon vorher einen Strafbefehl gegeben, in Höhe von 10'000 Franken – offenbar wegen überhöhter Geschwindigkeit im Strassenverkehr. Auch stimmte die Aussage nicht ganz, er wolle etwas aus der Welt schaffen – denn er kam ja bloss dem Beitrag von SRF zuvor, der schon geplant war. Fischer war also in einem Moment, in dem er offen und ehrlich hätte sein müssen, nicht offen und ehrlich.

Wie wichtig ist die Glaubwürdigkeit eines Nati-Trainers?

Da spielen wohl zwei Dinge hinein: erstens die Rolle als Trainer. Dieser stellt Regeln auf, überprüft sie, setzt sie durch und fordert sie von den Spielern ein. Wenn aber der Trainer grundlegende Regeln des Zusammenlebens nicht einhält und Urkundenfälschung begeht, ist das doch sehr schwierig. Und zweitens ist da die Rolle des Nationaltrainers. Dieser steht einfach stärker im Fokus als ein anderer Trainer. Der Nati-Trainer muss alles quasi noch richtiger machen, denn diese Funktion hat auch eine politische Note – und es gibt beispielsweise auch Sponsoren, die im vorliegenden Fall sicher auch Einfluss genommen haben.

Ist Fischer also über seine Glaubwürdigkeit gestolpert?

Seine Glaubwürdigkeit hat extrem gelitten – und die ist sehr wichtig, auch in anderen Führungspositionen. Glaubwürdigkeit ist die Grundlage von allem. Und wenn die nicht mehr da ist oder wackelt, dann wird jeder Entscheid hinterfragt. Das wäre auch hier so gewesen. Patrick Fischer stand für Werte, für Integrität, für Ehrlichkeit. Weil er diese Werte aber selber verletzt hat, wird er jetzt stärker angegangen als andere – als vielleicht jemand, von dem man einen Fehltritt eher erwartet hätte. Das ist weder richtig noch falsch, sondern ein normaler Mechanismus: Die Enttäuschung ist im Fall Fischer schlicht und ergreifend grösser als bei anderen.

Hätte Fischer nicht für die WM Trainer bleiben können?

Das hätte kaum funktioniert – auch wenn man diesen von manchen geäusserten Wunsch verstehen kann: Mit Fischer hat das Schweizer Nationalteam einen grossen Schritt vorwärts gemacht und ist in Sphären vorgedrungen, in denen die Schweiz noch nie war. Da ist klar, dass man diesen Trainer bei der Heim-WM an seiner Seite haben möchte. Aber das wäre kaum gut ausgegangen.

Spielt für den Trainerjob nicht nur fachliche Qualität eine Rolle?

Definitiv nicht. Der Trainerjob ist sehr vielfältig: Man muss fachlich gut sein, eine Spielidee haben, man muss den Umgang mit Menschen beherrschen oder auch die Kommunikation. Das alles hat Fischer absolut gut gemacht. Aber wenn das alles nicht mehr auf einer glaubwürdigen Grundlage stehen kann, dann funktioniert es nicht mehr.

SRF 4 News aktuell, 16.4.2026, 16:50 Uhr ; 

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