Seit fast 40 Jahren schreibt Jürg Auf der Maur als Journalist über das Dorf, in dem er lebt; über Politik und Gesellschaft im Kanton, in dem er aufgewachsen ist.
Seit Ende Mai ist er, der langjährige ehemalige Chefredaktor der Regionalzeitung «Bote der Urschweiz», offiziell nicht mehr am Arbeiten. Schreiben und recherchieren aber will Jürg Auf der Maur weiterhin.
«Ich werde wohl viel Zeit im Staatsarchiv verbringen, um für ein wirtschaftsgeschichtliches Thema zu forschen», sagt der studierte Historiker. «Vielleicht gibt es einen wissenschaftlichen Aufsatz dazu. Und wer weiss: Vielleicht druckt der ‹Bote› ja dann mal eine Kurzversion.»
Wenn ich Ende Woche fast mit allen Krach hatte, wusste ich, dass ich es gut mache.
40 Jahre stand Jürg Auf der Maur mitten in der Gesellschaft, über die er berichtete. «Wenn ich Ende Woche fast mit allen Krach hatte, wusste ich, dass ich es gut mache.» Um die Unabhängigkeit zu bewahren, brauche es vor allem eines: seriöse Arbeit.
Früher seien Gespräche manchmal verstummt, wenn er sich in der Beiz dazu gesetzt habe. Vom-Hören-Sagen-News habe er jedoch nie ins Blatt gehievt. Da gebe es nur den offiziellen Weg: einen Anruf bei der betroffenen Person. «Dann soll sie sagen, ob das stimmt und was sie dazu zu sagen hat.»
Die Tücken des geteilten Kantons
Jürg Auf der Maur kennt Schwyz in- und auswendig. Schon in seinem Studium hat er sich der Schwyzer Geschichte gewidmet. «Schwyz ist sicher so, wie der Kanton gemeinhin beschrieben wird: konservativ, reich, ein Steuerparadies.»
Das aber sei nur die halbe Wahrheit. Die Leute im inneren Kantonsteil rund um den Hauptort seien nach Luzern und Zug ausgerichtet, während sich die Ausserschwyz klar Richtung Zürich orientiere. «Die Bevölkerung in den zwei Kantonsteilen kennt die jeweils andere nicht gut», sagt Auf der Maur. Es würden kaum «auswärtige» Veranstaltungen besucht.
Diese gesellschaftliche Trennung sei auch historisch bedingt: «Die politische Macht war seit jeher im Ort Schwyz konzentriert, während die heutigen Bezirke am Zürichsee Untertanengebiete waren. Dieser Graben hat bis heute überdauert.»
Aufstieg der SVP verändert Debatte
Im Kantonsrat treffen die politischen Vertreterinnen und Vertreter aus allen Regionen regelmässig aufeinander. Lange Zeit habe die CVP in Schwyz praktisch im Alleingang regiert, sagt Jürg Auf der Maur. Die Partei habe immer mehr Macht an die SVP verloren. «Als ich in den 80er-Jahren zum ersten Mal aus dem Kantonsrat berichtete, hatte die SVP drei Sitze.» In den 90er-Jahren erreichte sie knapp Fraktionsstärke. «Heute ist die SVP mit 38 von 100 Sitzen die klar stärkste Partei im Kanton Schwyz.»
Das habe die Debattenkultur verändert. «In meiner Wahrnehmung ist der Ton im Rat rauer geworden. Es wird weniger miteinander diskutiert», so Auf der Maur. «Die SVP ist auch in Schwyz permanent im Wahlkampfmodus.»
Ihm fehlen die Visionen
Angesprochen auf die Politik im Kanton Schwyz, sagt Auf der Maur, diese sei ihm zu wenig visionär. Der Kanton verfüge bald schon über ein Eigenkapital von einer Milliarde Franken. «Trotzdem wartet Schwyz immer wieder die Erfahrungen von allen anderen Kantonen ab, um dann auf die billigste Variante zu setzen. Dass Schwyz kaum je vorangeht und ein Zeichen setzt, finde ich schade.»
Was könnte man denn mit dem Geld anstellen? Einen zentralen Spiel- und Aufenthaltsplatz, meint Auf der Maur. «So etwas fehlt bei uns. Dafür gibt Schwyz ohne mit der Wimper zu zucken 30 Millionen Franken aus, um ein paar hundert Meter Strasse zu sanieren.»