Der FC Thun ist daran, Schweizer Fussballgeschichte zu schreiben. Kaum in die höchste Liga aufgestiegen, könnten die Berner Oberländer schon Meister werden.
Das befeuert nicht nur die Fans, es macht auch ausländische Medien aufmerksam. «Fussballfans überall, insbesondere in England, lieben Geschichten über Aussenseiter», sagt der britische Journalist Alex Brotherton, der für die BBC über den FC Thun berichtet. «Was der FC Thun leistet, ist eine unglaubliche Geschichte.»
Diese Geschichte – vom Nobody zum Meister – hat auch die französische «L'Equipe», die deutsche Sportschau bis zur amerikanischen «Times Union» inspiriert. Auch in Vietnam wird über den FC Thun berichtet. Denn: Dass der Meistertitel für den FC Thun jetzt in Reichweite liegt, hat noch vor ein paar Jahren kaum jemand gedacht.
Vom Sex- zum Wettskandal
Den letzten grossen Erfolg feierte Thun vor zwanzig Jahren mit dem Vizemeistertitel. Danach hat sich Thun mit einem Sieg gegen Malmö 2005 überraschend für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.
Auf und Ab des FC Thun
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Bild 1 von 5. Nach dem Sieg gegen Malmö 2005 wird Mauro Lustrinelli von den Fans gefeiert. Thun nimmt erstmals in der Clubgeschichte in der Champions League teil. Bildquelle: KEYSTONE/Yoshiko Kusano.
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Bild 2 von 5. 2007 der Sex-Skandal: FC Thun Präsident Kurt Weder nimmt Stellung zur Anklage gegen 14 Spieler des FCT. Bildquelle: KEYSTONE/ Peter Schneider.
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Bild 3 von 5. In der Saison 2008/2009 wurden zwei Spieler im Zusammenhang mit dem Wettskandal suspendiert. Auch Spieler von anderen Klubs waren betroffen. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
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Bild 4 von 5. Thuns Spieler halten ein Plakat hoch. 2016 ging der FC Thun fast Konkurs. Unter anderem der Verein Härzbluet FC Thun half aus. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Klaunzer.
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Bild 5 von 5. 2025 dann das grosse Aufatmen: Mit Mauro Lustrinelli als Trainer stieg der FC Thun in die Super League auf. Bildquelle: KEYSTONE/Peter Schneider.
Danach ging es jedoch abwärts. 2007 waren Spieler in einen Sexskandal verwickelt, zwei wurden wegen sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen verurteilt. 2016 ging der FC Thun fast Konkurs. Die Stadt und Private haben Geld eingeschossen, der Fanverein Herzblut hat Geld gesammelt.
Entsprechend froh über den aktuellen Erfolg ist der Präsident des Vereins «Härzbluet füre FC Thun», Luki Frieden. Er war während dieser ganzen Zeit bei fast jedem Heimspiel dabei. «Wir waren schon kurz vor dem Lichterlöschen.» Jetzt habe man aber etwas, das man nicht kaufen könne: «Das Schönste ist, wie alle für alle gehen. Es ist eine Einheit, jeder kämpft und hilft dem anderen.»
Grosse Fanfreude
Eine Euphorie, die für das ganze Berner Oberland «wahnsinnig» ist, sagt Fan Denise Hintermann aus Schönried: «Wie sie es geschafft haben, vom Nobody zum Tabellenleader zu werden, ist phänomenal.»
Fan Hansruedi Siegenthaler aus Zweisimmen ergänzt: «Für mich als Oberländer ist es ein Riesenstolz.» «Ich kann gar nicht in Worte fassen, was es bedeutet», sagt Fan Daniela Haldimann aus Zäziwil.
Der Klub selbst sei überrumpelt worden vom Erfolg. Sie hätten nie gedacht, so weit zu kommen, erzählt Thun-Präsident Andres Gerber. Man habe deshalb vor der Saison auch keine Meisterprämien ausgehandelt: «Wir dachten, es wäre schon unverschämt, ein Ziel unter den ersten sechs zu definieren.»
Doch wie war das möglich? «Ich denke, es ist wirklich die perfekte Konstellation», analysiert der BBC-Sportreporter Alex Brotherton. «Die Spieler kennen sich, der Trainer ist seit mehreren Jahren dabei, die Spieler hatten Zeit, sich an die Taktik zu gewöhnen.» Zudem hätten die grossen Vereine wie YB und Basel eine unterdurchschnittliche Saison. Eine Heldengeschichte, die auch über die Schweiz hinaus die Menschen bewegt.