Knapp 60 Gastronominnen und Gastronomen haben sich an diesem Montag im Feuerwehrlokal Stans versammelt. Thomas Flachsmann von der Nidwaldner Sachversicherung zeigt ihnen ein Video. Darin sieht man, wie er eine dunkelblaue Girlande anzündet. «Die brennt ungebremst weiter», erklärt er und zündet als Nächstes eine hellblaue Girlande an. «Die erlischt nach kurzer Zeit von selbst.» Der Unterschied sei, dass auf der Verpackung der hellblauen Girlande «schwer entflammbar» stehe. «Die wäre geeignet für Dekorationen», so Flachsmann.
Deko-Material als Brandrisiko
Der Anlass im Stanser Feuerwehrlokal wurde im Hinblick auf die nahende Fasnacht vom Branchenverband Gastro Unterwalden organisiert. In wenigen Wochen werden die Lokale bunt dekoriert und voller Menschen sein. Viele Gastronomie-Mitarbeitende denken deshalb mit Schrecken an Crans-Montana.
Die Wunderkerzen habe sie sofort entsorgt, sagt etwa Hanny Odermatt, die auf dem Wirzweli bei Dallenwil NW ein Restaurant führt. «Dann werde ich gut darauf achten, die Fluchtwege freizuhalten.» Auch Wirtin Andrea Nitzsche vom Restaurant Mathisli in Kehrsiten NW zieht Lehren aus der Veranstaltung. «Bis jetzt habe ich mich nie darauf geachtet, ob das Deko-Material schwer entflammbar ist. Das werde ich nun definitiv tun.»
Feuerpolizei stockt Patrouillen auf
Auch in der Stadt Luzern wird dieses Jahr noch gewissenhafter auf den Brandschutz geachtet. Die Feuerwehr steht am Rande der Altstadt jeweils mit Einsatzfahrzeugen bereit und die Feuerpolizei macht Kontrollen in Lokalen, vor und während der Fasnacht.
«Wir prüfen etwa, ob sich nicht zu viele Menschen in einem Lokal aufhalten», sagt Theo Honermann, Kommandant der Feuerwehr der Stadt Luzern. Kontrolliert würden aber auch die Notausgänge und die Dekorationen. «Da wird schon mal mit einem Feuerzeug getestet, ob das Deko-Material entflammbar ist.»
Als Reaktion auf das Unglück in Crans-Montana hat die Feuerwehr die Zahl der Patrouillen erhöht. Auch empfehlen Kanton und Stadt Luzern heuer erstmals, auf offenes Feuer in Innenräumen zu verzichten. Dazu zählen Kerzen, aber auch Pyroartikel aller Art. «In einem dicht gedrängten Lokal können Kostüme schnell Feuer fangen», so der Feuerwehrkommandant.
Basler Cliquenkeller werden kontrolliert
Ähnliche Massnahmen sind für die Basler Fasnacht vorgesehen. Die Feuerpolizei wird vorgängig sämtliche rund 70 Cliquenkeller besichtigen. «Wir wollen zusammen mit den Cliquen unter anderem die Dekoration und die Beschilderung der Fluchtwege anschauen», sagt Veronika Röthlisberger, Direktorin der Gebäudeversicherung Basel-Stadt, bei der die Feuerpolizei angesiedelt ist.
Erstmals wird für die Lokale auch eine Personen-Obergrenze festgelegt. Während der Fasnacht soll es – wie in normalen Beizen – Stichprobenkontrollen der Behörden geben.
Vernunft und Wissen gefragt
Zurück in Stans. Nathalie Hoffmann, die Präsidentin von Gastro Unterwalden ist zufrieden mit ihrer Veranstaltung. Man merke, das Thema beschäftige die Gastronominnen und Gastronomen. «Sie sollen sich bewusstwerden, dass der Brandschutz zu unserer täglichen Arbeit gehört.»
In Nidwalden sei das besonders wichtig, weil die Gesetzgebung eher liberal gestaltet sei. Beim Brandschutz gelte: wenig muss, viel kann. Bei den Gastronominnen und Gastronomen sei deshalb vor allem Vernunft und Wissen gefragt. Wissen, das ihnen nun mitgegeben wurde.